Noch vor drei Monaten war der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) mit seinen ebenfalls der Union angehörenden Kollegen aus Hessen und aus dem Saarland ganz einer Meinung: Den Plan von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, die von den Stromversorgern kassierten Netzgebühren erst im Nachhinein auf Wettbewerbskonformität zu überprüfen, lehnte er rundweg ab. Mit Nachdruck, ließ er beispielsweise den saarländischen Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi wissen, müsse dem entgegengetreten werden, um Preissteigerungen zu vermeiden, die voll zulasten der Verbraucher gehen. Doch während Georgi und sein hessischer Amtskollege Alois Rhiel unverdrossen gegen die systemimmanenten Defizite der geplanten Ex-post-Missbrauchsaufsicht kämpfen, schien sich Wiesheu mittlerweile mit Clement verbündet zu haben. Zentral gesteuerte Preisvorgaben führten nur zu einem personell aufgeblähten Regulierungsapparat, ließ der Bayer das Handelsblatt wissen. Auf Nachfrage der ZEIT ruderte er allerdings zurück. Der Denkprozess in Sachen Missbrauchsaufsicht sei noch nicht abgeschlossen, ließ er mitteilen.