Zwei Kleinkriminelle stehlen aus Versehen ein berühmtes Gemälde und kurven mit ihrer Beute ratlos durch Dänemark - ganz so einfach wie im gerade angelaufenen Film Stealing Rembrandt kommen Kunstdiebe für gewöhnlich nicht zu Meisterwerken. Insider bescheinigen dieser Sorte von Gangstern geradezu paramilitärische Methoden: Waffengewalt, Erpressung, Geldwäsche. Es ist ein gern bemühtes Klischee, dass Kunstraub neben Drogen- und Menschenhandel zu den lukrativsten Delikten gehört. Unterfüttert wird es mit der unbewiesenen, aber immer wieder in Umlauf gebrachten Zahl von fünf Milliarden Dollar Schaden pro Jahr.

Das Phänomen wird wohl von Detektiven, spezialisierten Versicherungen und Datenbanken wie dem Art Loss Register nie eindeutig zu erfassen sein - einzelne Fälle geben aber doch Aufschluss über Motive und Methoden. Liest man das im September erscheinende Buch Aktenzeichen Kunst - Die spektakulärsten Kunstdiebstähle der Welt (DuMont), geschrieben von Nora und Stefan Koldehoff, kommt man zum Schluss, dass es bei den Räubereien am wenigsten um die Kunstwerke selbst, sondern nur um deren Wert geht. In Gesprächen erörtern der Kunstdetektiv Charles Hill, der Stuttgarter Kriminalhauptkommissar Ernst Schöller, die Geschäftsführerin des Art-Loss-Registers Ulli Seghers und der Axa-Art-Direktor Thomas Wessel die Methoden der Aufklärung.

Manchmal wollen Gauner Lösegelder zur persönlichen Bereicherung erpressen, manchmal Cash für den Einstieg in den Drogenhandel besorgen. Der reiche Kunstliebhaber als Auftraggeber ist hingegen ein Mythos. Thomas Wessel erklärt: Ich habe keine Anhaltspunkte dafür, dass den vor 14 Jahren in Boston gestohlenen Vermeer seither jeden Abend ein kolumbianischer Drogenbaron bekifft anglotzt. Aber an das, was wir nicht beweisen können, dürfen wir trotzdem glauben.

Durch die Hände von Kriminellen sind viele Ikonen der Kunstgeschichte gegangen wie Leonardo da Vincis Mona Lisa, Edvard Munchs Der Schrei oder das erste impressionistische Gemälde von Claude Monet Impression, soleil levant.

Diese Werke sind indes alle wieder aufgetaucht, die Geschichten darum spannend zu lesen, auch wenn die meisten Fälle bereits gut dokumentiert sind.

Den Koldehoffs gelingt es in ihrem Buch, Hintergründe tiefer auszuleuchten, etwa im Fall der Mona Lisa, die 1911 geraubt wurde. Was im 2002 erschienenen Taschenbuch Die geraubte Mona Lisa (Insel) als isolierte Tat eines Anstreichers dargestellt wird, der das Bild in Italien zum Kauf anbietet und mit sieben Monaten Haft davonkommt, liest sich nun weit aufregender.

Auftraggeber war der aus wohlhabenden Verhältnissen stammende Argentinier Eduardo de Valfierno. Bevor er das berühmteste Gemälde der Welt stehlen ließ, hatte er sechs Kopien anfertigen lassen, von deren Verkauf er blendend leben konnte. Das Original interessierte ihn nicht, sein Diebstahl diente nur als Beweis für die Echtheit der in die USA verkauften Fälschungen. Die echte Mona Lisa ließ er beim Auftragsdieb liegen.