Mit großer Betroffenheit beobachten wir die Aktionen der Preußischen Treuhand und des Vertriebenenverbandes. Der Schaden, der dadurch hervorgerufen wird, ist groß, und wir möchten uns als Betroffene der Oder-Neiße-Linie von diesen Machenschaften distanzieren.

Unsere Familie lebte bis zur Vertreibung 1945 fast 300 Jahre lang auf einem Landbesitz im Kreis Trebnitz bei Breslau. Trotz des Schmerzes um die verlorene Heimat haben wir uns seit 1972 um Aussöhnung mit den dort angesiedelten Menschen bemüht, zumal diese selbst von den Russen aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Dem jungen polnischen Pfarrer, der sich, wie wir, intensiv um Versöhnung bemüht, ist es in den letzten Jahren gelungen, den geschändeten Friedhof in unserem Dorf wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen. Ein Gedenkkreuz wurde errichtet. Als wir uns finanziell an den Kosten beteiligen wollten, wurde dies von polnischer Seite abgelehnt, weil es ihre Aufgabe sei, die Schandtaten, die durch Dummheit und Politik angerichtet wurden, selbst in Ordnung zu bringen.

Wir freuen uns, dass die Menschen, die jetzt in der dritten Generation dort wohnen, uns freundlich begegnen, und wünschen ihnen, dass sie dort in Sicherheit leben und bleiben können.

Das Unrecht durch die Kriegswirren wird nie Gerechtigkeit für jeden Einzelnen der betroffenen Völker bringen können. Doch wir müssen und wollen mit den Tatsachen leben, die die Verträge festgeschrieben haben, und nicht wieder daran rütteln. Hass und Misstrauen müssen ein Ende haben und dürfen nicht neu geschürt werden. Die Organisation Preußische Treuhand schadet einem friedlichen Miteinander von Polen und Deutschen mitten in Europa. Die Bundesregierung und die EU sollten für klare Verhältnisse sorgen, damit dieser Gruppe keine Chance gegeben wird, wieder Hass zu säen.

Polen sollte die Pamphlete jedoch nicht überbewerten, denn nach 60 Jahren ist damit zu rechnen, dass auch die letzten Unbelehrbaren immer weniger werden.

FAMILIE VON KESSEL, VASTORF