Begeisterung für Europa? Ein gefühltes Jahrzehnt scheint uns von jenem 15. Februar 2003 zu trennen, als Millionen in Paris und Rom, Madrid und Berlin mit UN-Fahnen gegen den imperialen Krieg und für eine multilaterale Weltordnung demonstrierten. Wenn die Bürger in Italien, Frankreich oder Deutschland heute auf die Straßen gehen, dann zur Verteidigung eines Sozialstaats, der unter der Weltmarktkonkurrenz zusammenbricht. Und wenn sie überhaupt zur Europawahl gehen, dann, um diese Regierungen abzustrafen, welche wiederum höchste Bedenken hegen, ihnen die neue Europäische Verfassung zur Abstimmung vorzulegen, weil die französischen Bauern und die deutschen Bandarbeiter unter der Konkurrenz ihrer polnischen oder litauischen Kollegen leiden, während die dortigen Konservativen gegen das Vordringen westlicher Ökonomie und Lebensformen mobilisieren. Kein großer Gedanke, keine kollektive Begeisterung für ein kontinentales Projekt ist in Sicht, und schon gar keines, das über ihn hinausgreift.
Gesellschaft: Seht auf Europa!
Jeremy Rifkin preist den Alten Kontinent als letzten Hort des Widerstands gegen den globalen Wahnsinn