Der Gamsbart war einst eine Jagdtrophäe. In gewisser Weise gilt das noch immer, nur sind die Jäger nicht länger mit Gewehren, sondern mit Wanderstöcken bewaffnet: Der Gamsbart ist ein beliebtes Souvenir für Österreich-Reisende, ebenso wie die Dirndlpuppe oder der Maßkrug mit Alpenrelief. Der österreichische Fotograf Peter Granser hat diese Andenken in einem Zyklus mit dem schlichten Titel "Austria" porträtiert, dem unsere Abbildung ("Gamsbärte zum Andenken", St. Gilden am Wolfgangsee) entnommen ist. Seine Fotografien, die jetzt in einer Hamburger Ausstellung zu sehen sind, zeigen auf den ersten Blick das Österreich der Fremdenverkehrsämter: grüne Almen, blauer Himmel, schneebedeckte Berggipfel, rotwangige Trachtenträger. Doch immer stört irgendein Detail das Bilderbuchidyll: Da stehen die Kühe schon mal zwischen parkenden Autos, da flattern Sonnenschirme Marke Eskimo auf der Alm, da hängt ein Kruzifix zwischen Geweihen, und da kann man auf Schießscheiben mit Gamsmotiv zielen. Granser zeigt die skurrilen Zusammenstöße des Alltags mit der touristischen Fiktion. Sein Austria ist nicht Österreich, sondern ein fremdes Land.  JVM