Wenn es auch wohltuend ist, dass die ZEIT nicht in das hysterische Geschrei um die Kindersparbücher einstimmt - denn jeder weiß, wie es käme, wenn diese Sparbücher wirklich geschützt wären -, so erstaunt doch die Forderung nach höheren Freibeträgen und mehr Großzügigkeit bei sonstigen Eigentumsverhältnissen. Die Politik hat entschieden, dass für den fraglichen Personenkreis das Bedürftigkeitsprinzip gelten soll. Es ist also eine Frage der Definition, des Maßstabes und des Augenmaßes, wann Bedürftigkeit vorliegt und ein Anspruch an uns alle entsteht, die dann die Leistungen zu erbringen haben.

Ist es wirklich gerecht, wenn einer Familie mit zwei Kindern über 15 Jahre und einem Vermögen von 27 000 Euro ein Anspruch gegen die Solidargemeinschaft zugebilligt wird? Ist es nicht absurd, wenn Menschen, die für sich selbst und ihre Kinder sorgen können - also glücklich über diesen anzustrebenden Zustand sein müssten -, es als Bestrafung empfinden, keine Leistungen zu erhalten?

Wenn Sozialstaat und Solidarität so verstanden werden, dann bleibt für diejenigen, die der Hilfe tatsächlich bedürfen, wirklich nichts. Wer also großzügige Standards fordert, schmälert nicht nur die Leistungen für die Bedürftigen unserer Gesellschaft, er muss sich auch ebenso großzügig die dann erforderlichen Beiträge von seinem Gehalt abziehen lassen.

HEINZ GUTZEIT, SÜLFELD