"Es war nicht das attraktivste Spiel, das wir bis jetzt erlebt haben. Deutschland kann nicht brillant spielen. Das muss man anderen überlassen", kommentierte Franz Beckenbauer nach dem Spiel der Deutschen gegen die Österreicher am gestrigen Abend. Trotzdem scheint die Seelenlage diesmal gestimmt zu haben. Das erste Spiel nach der EM-Pleite beendete das deutsche Team im Wiener Ernst-Happel-Stadion verdient mit 3:1. Ob das wohl an unserem neuen Bundestrainer Jürgen Klinsmann lag? Während des Spiels wirkte er zeitweise angespannt - kein Wunder nach all dem Ärger um Rudi Völler.

Trotz seiner Anspannung sah man Klinsmann meistens lächeln, und als das erste Tor fiel, freute sich unser Sunnyboy ausgelassen wie ein kleiner Junge bei der Bescherung. In seinem dunklen Anzug wirkte Klinsmann wie gewohnt nett und smart. Im Laufe seiner Fußballkarriere hat man ihn ja auch richtig lieb gewonnen. Der sympathische Bäckerssohn meisterte es im Gegensatz zu anderen Spielern auch ganz gut, sein Privatleben von der Presse fernzuhalten. Es stellt sich allerdings die Frage, ob er sich diesbezüglich auch in Zukunft durchsetzen kann. Viele bezweifelten seine Fähigkeiten als Bundestrainer, meinten, er hätte zu wenig Erfahrung "Klinsmann? Das ist doch der mit der Bäckerei", sagte zum Beispiel Birgit Prinz, Weltfußballerin des Jahres 2003.

Bedenken gab es auch gegenüber der etwas unerfahrenen, jungen Abwehrkette und dem Torwartproblem. Kahn hat keine Priorität mehr, dafür werden Lehmann und Hildebrandt öfter eingesetzt. Aber Jürgen Klinsmann kann man vertrauen. Es hat ja auch alles ganz gut geklappt. Da konnte Pierluigi Collina, den wir bei der WM 2006 aus Altersgründen leider nicht mehr sehen werden, noch so böse gucken. Kuranyi hat drei Tore erzielt, und die Deutschen nur eins einkassiert. (Olli, mach Dir nichts draus. Das konntest du auch nicht halten. Das war einfach zu genial.)

Im anschließenden Interview wirkte unsere "Frohnatur" - so titulierte Günter Netzer Klinsmann gestern Abend - recht entspannt. Nervosität sei schon da gewesen, aber er sei zufrieden. Das seien alles "feine Kerle", locker und aufgeschlossen. Mit dem Rudi, von dem er eine hohe Meinung habe, hätte er sich auch vergangene Woche ausgetauscht, da dieser eine wichtige Ansprechperson sei. Und mit Olli Kahn sei alles geklärt. Klinsmanns Meinung über den neuen Kapitän Michael Ballack: "Ein Weltklassefußballer".
Na dann, Ende gut alles gut. Die beiden Bundespräsidenten Horst Köhler und Österreichs Heinz Fischer konnten sich mal richtig austauschen. Sie saßen auf der Tribüne nebeneinander und unsere Fußballnation hat dank Klinsi wieder einen Lichtblick.