Ob einer das Zeug zum Ministerpräsidenten hat, zeigt sich meist erst im Amt. Manchmal auch schon vorher. Im Falle von Heiko Maas, der im Saarland Peter Müller (CDU) ablösen möchte, ist die Sache ziemlich eindeutig.

Spitzenpolitiker wird man nicht im harmonischen Duett mit dem Vorgänger, zumal einem, der so unverschämt auftritt wie Oskar Lafontaine. Da hilft nur harte Kante. Dass Sozialdemokrat Maas stattdessen versucht, mit Distanzierungen wie "kontraproduktiv" oder "nicht hilfreich" Lafontaines jüngsten Generalangriff auf Kanzler, Partei und Bundesregierung aus der Welt zu schaffen, spricht auch nicht gerade für ausgeprägten politischen Spürsinn. Und dann der Brüller: Auf kleine Veranstaltungen und regionale Themen möchte Maas das Wahlkampf-Engagement seines Vorvorgängers im Landesvorsitz begrenzt sehen. Soll also Oskar, Weltökonom und Racheengel, künftig beim SPD-Stammtisch in Saarlouis über Probleme örtlicher Industrieansiedlung referieren? Der Einzige, der sich mit solchen Ankündigungen lächerlich macht, ist Maas.

Dabei bot ihm Lafontaines brutale Kampfansage die einmalige Chance, endlich aus dessen Schatten herauszutreten. Auf Lafontaines Verdikt: "Es geht mit Schröder nicht mehr" hätte es nur eine richtige Antwort gegeben: "Es geht mit Lafontaine nicht mehr." Nur in der Konfrontation mit dem rücksichtslos raumgreifenden Vorgänger wäre der blasse und gequält wirkende Herausforderer kenntlich geworden: einer, der auch Grenzen zieht, einer, der es wissen will. Aber zu lange schon hat Heiko Maas den Hochseilakt vollführt – zwischen seiner Partei, dem Kanzler und deren schärfstem Kritiker. Nun ist er vom Seil gestürzt. Matthias Geis