Es muss aufregend sein, eines Morgens als Katzenfrau zu erwachen. Die Hände in Pfötchenstellung, den Leib eigentümlich zusammengerollt, sehen wir Halle Berry ihren ersten Tag als Superheldin beginnen. Mit Befremden nimmt sie ungewohnte Bedürfnisse an sich wahr, schnuppert an Dreck und verschlingt dosenweise Thunfisch. Eben noch fristete sie ihr Dasein als schüchterne Angestellte eines Beauty-Konzerns, nun wagt sie Widerworte gegen den skrupellosen Chef. Schon verlangt das neue Körpergefühl auch nach einem anderen Outfit. Tief unten im Kleiderschrank findet sich dieses sexy Lederkostüm. Haare ab, her mit der Peitsche, und fertig ist die Wiedergeburt als Catwoman. In Pitofs Film wird sie zur Rächerin aller von der Kosmetik betrogenen Frauen dieser Welt. Wie gern würden wir Berry folgen bei diesem Trip zur anderen Seite des Frauseins. Catwoman, das lang ersehnte weibliche Gegenstück zur Batman- und Spider-Man-Serie, besitzt das zauberhafte Potenzial jener Verwandlungsgeschichten, in denen Weltwahrnehmungen durch Körpermutationen revolutioniert werden. Doch ungenutzt lässt der Film selbst seine Chancen auf eines der größten Frauenduelle der Filmgeschichte verstreichen. Als blondes Biest verkörpert Sharon Stone die perfekte Gegenspielerin, ein gerade aus Altersgründen abgesetztes Model des Kosmetikkonzerns Beauty-Line. Aber für diesen wahren catfight zwischen der geschmeidigen Berry und der kantigen Stone, dem Star und der vom Markt ausgespuckten Diva, einem eigentlich wunderbaren Gegensatzpaar, interessiert sich der Film nur mäßig. Tatsächlich bleibt alles auf der Strecke, was die Superheldengeschichten ausmacht: die Ausleuchtung der Kluft zwischen euphorischer und depressiver Seite der Allmachtsfantasie, die Erkenntnis, dass Macht mit Einsamkeit bezahlt werden muss und Rache mit Reue. Mit seinen hektisch digitalisierten Spezialeffekten bleibt Catwoman so sehr Oberflächenreiz, dass er über die elementare Sinnlichkeit seiner Geschichte ganz unkatzenhaft hinwegstampft.