Letztes Jahr kam es beim Fernsehschachpreis Schach der Großmeister zur Begegnung zwischen Alt und Jung: Der 52-jährige holländische Exweltmeister Jan Timman traf auf die 17-jährige deutsche Nachwuchshoffnung Arkadi Naiditsch aus Dortmund. Und wie so oft im Leben waren langjährige Verdienste nicht mehr wert als ein eingetrocknetes Marmeladebrot: Jan trat geschlagen die Heimreise an. Was lag näher, als in diesem Jahr Arkadi als Titelverteidiger gegen einen noch Jüngeren spielen zu lassen – den erst 13-jährigen Magnus Carlsen aus Norwegen?

"Eigentlich sollte man sich schämen. Man hat es nie über ›Drei Jäger aus Kurpfalz‹ hinausgebracht, und da sitzt man nun als eisgrauer Kerl und lässt sich von diesem Dreikäsehoch Wunderdinge vormachen", klagt Thomas Mann in Das Wunderkind.

Es ist Arkadi Naiditsch zu wünschen, dass er zum Ende seiner Partie nicht ähnlich räsoniert, zumal der jüngste deutsche Großmeister schachlich einiges mehr als die "Drei Jäger" auf dem Kasten hat und auch zum eisgrauen Haar noch manches Jahr fehlt.

In einem sind sich die beiden jungen Herren jedenfalls ähnlich: Auf die Frage "Was gefällt dir besser, Schule oder Schach?" plädieren beide für Schach. Arkadi hat sogar der Schule ganz Ade gesagt, Magnus sich ein Jahr beurlauben lassen. Und die Zeit bestens genutzt.

Er hat nicht nur in kürzester Zeit den Großmeistertitel, bestens passend zu seinem Vornamen, erworben, sondern auch bei einem Turnier in Island dem inzwischen ebenfalls schon eisgrauen Kasparow (41 Jahre!) Angst und Schrecken eingejagt. Dieser war am Rand einer Niederlage und heilfroh, mit Remis davonzukommen; in der Revanche-Partie gerbte er allerdings dem Knaben das Fell – was manchen eisgrauen Chronisten auch wieder befriedigt.

Die Live-Partie können Sie im WDR-Fernsehen in der Nacht vom 23. zum 24. August von 0.30 bis 2.30 Uhr verfolgen. Die Kommentare der eisgrauen (jetzt aber genug davon!) Claus Spahn, Vlastimil Hort und Helmut Pfleger werden dabei vom noch ziemlich jungen Schachprogramm Fritz infrage gestellt.

Sehen Sie, wie Arkadi Naiditsch beim Europa-Pokal auf Kreta 2003 als Weißer am Zug den starken russischen Großmeister K. Sakajew mit einer sehr feinen Kombination besiegte? Helmut Pfleger