Wenn man will, dann kann man natürlich am Strand stehen und den Menschen dabei zusehen, wie sie in die Wellen springen, und den braun gebrannten jungen Männern, wie sie den Volleyball hin und her dreschen, und den Mädchen, wie sie sich ausstrecken mit geschlossenen Augen, man kann sich den Sand durch die Finger rieseln lassen und sich fragen, wie das geht, dass uns allen das Leben einfach passiert, und dieser eine blasse Junge hatte diese eine Idee, und dieser Idee ist er dann gefolgt, und heute sitzt er draußen auf diesem Schiff, das ungefähr hundert Meter lang ist und einen Basketballplatz hat an Bord und eine Garage für seine Autos und 100 Millionen Dollar gekostet hat, und er hat viele Matrosen in weißen Hosen und weißen Hemden und mit ein paar blauen Schulterabzeichen um sich herum, und der Reichtum, den dieser Paul Allen mit seiner einen Microsoft-Idee geschaffen hat, reicht weiter als jede Vorstellung.

Man kann es auch lassen, das Nachdenken, und Paul Allen und all die anderen hier einfach Sonnenkönige nennen.

Es liegt ein Glanz über Saint-Tropez in diesen Tagen, ein seltsamer Glanz, der gar nicht so viel zu tun hat mit dem Mittelmeerstrahlen oder dem hellen Sand oder dem schwer fassbaren Reichtum oder den Vorzugskörpern, die sich hier bräunen. Ein Glanz, der von weit her reicht bis in unsere Zeit. Ein Glanz, der den Menschen eine Leichtigkeit gibt, die manchmal nur geliehen scheint. Es ist, in diesen demokratisierten Tagen, ein aristokratischer Glanz, was der Sehnsucht noch einen besonderen, stechenden Schmerz gibt. Es ist der Glanz von Champagner, der in der Nachmittagssonne verspritzt wird.

Saint-Tropez, das ist natürlich Brigitte Bardot, die einmal jung und schön war und wie von Gott in einem besonders guten Moment geschaffen und die heute oben in den Bergen sitzt und den Ort nicht mehr betritt und nur noch Tiere rettet und sonst die rechtsradikalen Tiraden ihres Ehemanns nachbetet; Saint-Tropez, das ist das alte, sympathische Dorf mit den Gassen, in denen es mehr Läden gibt mit Dior und Dolce & Gabbana und Gucci als in den meisten Straßen von Paris; Saint-Tropez, das ist der Hafen, in dem besonders viele Jachten unter der Flagge des Steuerparadieses Cayman Islands fahren, schließlich muss man irgendwie die 100000 Dollar sparen, die ein guter Liegeplatz pro Woche kostet; Saint-Tropez, das sind die Prominenten, die Stars, der Jetset, die Hautevolee, wie man sie immer nennen mag, das sind das Café de Paris und das Sénéquier für den Tag, das Hotel Byblos für die Nacht, das Papagayo, das Caves du Roy und der VIP-Room für die Zeit dazwischen; Saint-Tropez, das ist la fête. Und für la fête braucht man Champagner.

Ein "sonniger Ort für schattige Leute", sagte Somerset Maugham

Meistens fängt es im Voile Rouge an oder im Nikki Beach, dem mit den Champagnerduschen, manchmal auch im Club 55, aber da geht es erwachsener zu, dafür nicht weniger dekadent. All das sind einfache Lokale, die an dem Sandstrand liegen, der Pampelonne heißt und der sich auf der anderen Seite der Halbinsel von Saint-Tropez fünf Kilometer lang an der türkisfarbenen Teetasse ausstreckt, die das Mittelmeer hier ist. Begnadete Natur und begnadete Menschen, die sich untereinander bewegen wie einst die jungen Fürsten und Grafen und Prinzessinnen in Versailles.

In Versailles sind heute die Touristen; in Saint-Tropez sind die Mächtigen. Sie sind die Herrscher über unsere Vorstellung. Sie sind der neue Adel.

Mit allem, was dazugehört. Am Eingang zum Nikki Beach stehen die roten Ferraris, die staubbedeckten Porsches, die Bentleys mit Chauffeur. Drinnen, auf den weißen Liegestühlen am Pool oder auf den überdachten, quadratischen Betten, liegen die jungen Männer mit ihren langen dunklen Haaren, in der einen Hand eine Brünette, in der anderen Hand eine Flasche Roederer Cristal. Einer schwenkt die Flasche gelangweilt, dann stürzt er sie umgekehrt in den Eiskübel, winkt dem Kellner und bestellt eine neue. Bitte nur Champagner, bitte nur ganze Flaschen. Champagner ist der Saft, der Saint-Tropez am Laufen hält.