Horst von Lojewski ist jetzt ein Trost. Abenteuer Wissen im ZDF. Nicht gerade der Traum meiner schlaflosen Nächte. Aber momentan bin ich für jede Ablenkung dankbar. Denn das Abenteuer Fahren hat gerade Pause. Ich stehe auf der A 9 vor Nürnberg in einem 20 Kilometer langen Prachtexemplar von einem Stau - und habe den Fernseher eingeschaltet.

Unter Knistern und Rauschen kann man auf dem Bildschirm des Bordcomputers - etwa halb so groß wie der eines Laptops - jene Programme sehen, die gerade über Antenne zu empfangen sind. Aber nur, wenn der Wagen steht. Sobald es ein paar Meter vorangeht, wird die Wiedergabe zu meiner eigenen Sicherheit abgeschaltet. Immerhin läuft der Ton weiter. Und weil es nur alle paar Minuten ein paar Meter vorwärts geht, kann ich der Sendung fast lückenlos folgen.

Jagd mit tausend Augen heißt das Thema heute. Terrorfahnder machen mobil.

Mittels Isotopenanalyse soll man demnächst leichter belegen können, ob sich hinter einem Asylbewerber vielleicht doch ein potenzieller Terrorist verbirgt, wie ein Staatsschützer versichert. Das passt gut zur aktuellen Verkehrslage - dieser urdeutsche Glaube, durch maximale Prävention könne man sämtliche Risiken im Leben ausschließen. Dass das nicht funktioniert, zeigt allein diese Fahrt von München nach Berlin. Sie dauert länger als ein Flug nach Zentralafrika. Und dass, obwohl ich mit einem der besten Autos überhaupt unterwegs bin. Es fährt so schnell wie ein startendes Flugzeug. Leider fehlen die Tragflächen.

Der Grund, warum ich hier stehe, liegt nicht nur im Vorhandensein des Staus, sondern auch im Navigationssystem. Das empfängt nämlich laufend Verkehrsdaten von Radiosendern und rechnet diese in die Routenplanung ein. Aber wer sich schon mal Hunderte von Kilometern im Voraus Gedanken über einen Stau gemacht hat, der zum Zeitpunkt des Eintreffens längst verschwunden ist, während das System seine Existenz weiterhin unerschütterlich behauptet, der fährt lieber sehenden Auges auf das nächste Stau-Ende zu, als sich von einem hysterischen Frühwarnsystem nerven zu lassen. Denn V-Info plus, so heißt das System, führt geradewegs in den Gefühlsstau.

Eine gewisse Aufgeregtheit ist im BMW 645 Ci Cabrio schon bei normalen Signaltönen hörbar. Zu allem Überfluss moderiert die Stereoanlage die Signale der Einparkhilfe. Hindernis hinten rechts bewirkt Gepiepe von hinten rechts.

Und zwar in einer Lautstärke, die der Käuferzielgruppe (laut Hersteller 40 bis 55 Jahre und überwiegend männlich) ein bereits stark eingeschränktes Hörvermögen unterstellt - und die Bereitschaft, sich von ihrem Auto bevormunden zu lassen. Hätten doch die Warnton-Designer das gleiche Geschick besessen wie jene, die der Karosserie ihren smarten Ausdruck ins Gesicht schrieben.