Während die Schwulen nichts Wichtigeres zu tun haben, als zu heiraten, haben die Heteros offenbar nichts Eiligeres zu tun, als sich scheiden zu lassen. Im Jahre 2003 erreichte die Zahl der Scheidungen mit fast 214 000 einen neuen Höchststand - das sind fast fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Schlimmer aber: Jede zweite Scheidung betrifft Kinder unter 18 Jahren.

Verflixt ist nicht mehr das siebte Ehejahr, sondern eher das fünfte. In großen Städten wird haltloser geschieden als in kleinen, bei Protestanten mehr als bei Katholiken, bei Mietern mehr als bei Hausbesitzern.

Der Scheidungsboom ist kein Grund zum Jubeln. Scheidung ist zertifiziertes Scheitern, enttäuschte Erwartung, ein Unglück für die Kinder und häufig der Beginn der Verarmung.

Warum der Anstieg? Unter der Devise persönlicher Glücksmaximierung hat Opferbereitschaft keine Konjunktur. In der Familie geht ohne sie freilich wenig, insbesondere wenn das erste Kind den Konsum- und Spaßpegel des jungen Paares senkt. Die 170 000 Scheidungswaisen des vergangenen Jahres hätten von ein bisschen mehr Familiensinn ihrer Eltern gewiss profitiert. Ihr größter Wunsch ist meistens, dass die Eltern zusammenbleiben sollen.