Der Joseph, den man Sepp nannte, war ein gottesfürchtiger, gesetzestreuer, aber gescheiter Bauer, der die Ansicht vertrat, staatliche Subventionen an andere Wirtschaftsbereiche als die Landwirtschaft seien nichts anderes als schleichender Sozialismus. So gründete er den Bauernverband, wo er sich durch seine Bescheidenheit und harte Arbeit zum Vorbild entwickelte. Seine Spezialität war Roggen, und er verdiente ein hübsches Vermögen damit, keinen anzubauen.

Täglich sprang er beim ersten Strahl der Mittagssonne aus dem Bett, um zu sehen, dass die Feldarbeit nicht getan wurde. Er investierte sein Geld umsichtig in weiteres Land, und bald baute er mehr Roggen nicht an als irgendein anderer Bauer im Ländle. Sein Motto war: Wie ihr säet, so sollet ihr ernten.

Er verlangte von der Regierung äußerste Sparsamkeit, immer vorausgesetzt, die Sparsamkeit hinderte sie nicht daran, ihrer heiligsten Pflicht nachzukommen: den Bauern Höchstpreise für all den Roggen zu zahlen, den sie nicht anbauten.

Er war ein stolzer, frommer Mann, seine geflügelten Worte kreisten mit dem Wind über die Felder.

Wenn der Herrgott nicht gewollt hätte, dass wir so viel nehmen, wie wir bekommen können, hätte er uns nicht zwei so tüchtige Hände mitgegeben. - So isch es, klang der Refrain von den Verbandsbrüdern, und die Idee fing an Wurzeln zu schlagen.

ISTVAN HIDY, STUTTGART