Ein schwedischer Kinderchor tritt auf, graziös schreiten die Mädchen - nein, sie sind nicht alle blond - die Stufen im großen Saal des Stockholmer Konferenzzentrums Folkets Hus herab, einige Silben summend: "Ladidei, ladido". Was auf der großen Bühne folgt, ist für viele im Saal so rührend wie unverständlich: schwedisches Liedgut.

Doch der Anspruch der Veranstaltung ist international. "Science is global", sagt Pär Omling, Generaldirektor des Swedish Research Council. "Only funding is national." Die Forschung kann Grenzen überschreiten, die Forschungsförderung bisher nicht. Das soll sich ändern. Ein European Research Council ist auch beim Euroscience Open Forum (Esof) ein Thema. "Unsere Anstrengung, die EU zu einem der stärksten Wissenschaftsräume der Welt zu machen, schafft kein Vertrauen, wenn wir nicht auf europäischer Ebene in die Grundlagenforschung investieren", sagt Schwedens Wissenschaftsminister Thomas Östros zur Eröffnung der Esof.

Die Esof selbst soll neben dem Council das zweite wichtige Standbein einer paneuropäischen Strategie werden. Hier sollen die Forscher selbst Grenzen überwinden dürfen, die ihrer Disziplin, wie die der Scientific Community. Hier soll sich die Wissenschaft der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden. Hier soll sie sich der Gesellschaft öffnen.

Wer ihm den Auftrag zur Gründung von Esof gegeben hat? "Niemand", sagt Initiator Carl Johan Sundberg vom Stockholmer Karolinska-Institut. "In einer Demokratie ist es wichtig, dass Bürger aufstehen und etwas bewegen." Der Forscher als Bürger, das ist ein Bild, das nicht nur Sundberg gern vermittelt. "Wenn wir ein gemeinames Europa schaffen wollen, ist die Wissenschaft bestimmt kein schlechter Ort, um damit zu beginnen", ist Jean Patrick Connerade, Präsident von Euroscience überzeugt.

Stockholm ist ein Anfang. 1500 Teilnehmer haben sich angemeldet, darunter 300 Journalisten aus Europa - und den USA. "Brasilien hat seit Jahrzehnten ein ganz ähnliches, die Disziplinen überschreitendes Treffen", sagt Connerade. "Als ich beim letzten Mal dort war, trafen sich dort 14.000 Menschen. Sie sehen, Europa hat noch etwas aufzuholen."