ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die in der Kindheit noch vor der Vollendung des dritten Lebensjahres beginnt. 1943 beschrieb der in den Vereinigten Staaten forschende österreichische Kinderpsychiater Leo Kanner an elf Kindern das Syndrom des "frühkindlichen Autismus" (early infantile autism). Dabei benannte er als die beiden Hauptmerkmale die extreme Abkapselung autistischer Kinder von der menschlichen Umgebung und ihre panische Angst vor jeglicher Veränderung ihrer Umwelt. Unabhängig von Kanner entdeckte der österreichische Pädiater Hans Asperger 1944, was heute als mildere Form des Autismus gilt: Seine Patienten konnten sprechen und waren mindestens durchschnittlich intelligent, fanden aber dennoch schwer Zugang zu anderen Menschen. Kanner-Autismus und Asperger-Syndrom verkörpern heute extreme Pole einer fließenden Skala, wobei Kanner jahrzehntelang das Bild vom Autismus in der Öffentlichkeit dominierte. Der Film Rain Man greift diese Variante in populärer Form auf.

Aspergers Ergebnisse wurden erst 1981 international verbreitet. 1991 erkannte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Asperger-Syndrom als Krankheit an, 1994 schloss sich die American Psychiatric Association an. Auf dem 16. Weltkongress für Kinder- und Jugendpsychiatrie in dieser Woche in Berlin war diesem Thema ein eigenes Symposium gewidmet.