Wenn ich in ein kleines Auto steige, ist Randy Newman immer mit dabei. Ich wühle noch in der Hosentasche nach dem Zündschlüssel, da spottet der böse Sänger schon: Short People . In meinem Kopf schallen die fiesen Verse, auch die simple Pianomelodie ist sofort da, "dö-tödödö, dö-tödödo", schon singe ich mit – und summe an den Stellen, wo ich den Text vergessen habe.

"Short People", singen Randy und ich nun also, hätten "no reason to live". Haben "kleine Hände". Haben "kleine Augen". Spazieren herum und verbreiten dicke Lügen. Haben kleine Nasen, kleine Zähne, hässliche kleine Füße. Schlimmer ist nie verhöhnt worden, wer zu kurz gekommen ist. Kleine tragen Schuhe mit Plateausohlen.

So schlimm ist das bei mir noch nicht. Aber als ich per Fernbedienung den Kia aufschließe, streift mich doch die Angst, Randys Häme über die Kurzen gälte auch mir: "They got little cars." Und diese kleinen Autos der Kleinen machen "beep, beep, beep". Ich drücke ein paar Mal auf den Schlüssel. "Plopp, plopp, plopp", macht das kleine Auto und zwinkert jedes Mal orangefarben mit den Blinkern. Plötzlich aber ist Schluss, ich drücke und drücke, vergebens. Obwohl der Kia mit Riesenscheinwerfern und trapezförmigem Kühlergrill noch immer zu lächeln vorgibt, ist ihm der Spaß vergangen. Die Bedienungsanleitung klärt auf: "Wenn das Türschloss mehrfach in schneller Reihenfolge mit dem Schlüssel ver- und entriegelt wird, kann das Schließsystem vorübergehend abschalten (Spielschutz)." Ich werde mich hüten, mehrmals zu hupen.

Ich strecke den Kopf in das karamellbonbonfarbene Gehäuse, um die Hitze zu prüfen. Sie ist erträglich. Aber bestimmt, so denkt schon wieder der Kopf, hat Randy exakt Typen wie mich in einem Picanto gemeint: "Short people got nobody to love." Wie soll da Freude aufkommen beim Fahren in diesem dreieinhalb Meter kurzen Gefährtchen?

Man kann versuchen, es positiv zu sehen. Der Pressetext hat Recht! Ja! Das Auto ist jung. Das Auto ist sportlich, charmant, attraktiv. Das Design ist spannend, der Verbrauch niedrig, die Fahrleistungen sind beeindruckend, die Emissionen gering, und der anvisierte Käufer ist stilbewusst. Als ich aber mit den Sachen für den Ausflug zum Meer das Raumangebot, das "in dieser Klasse bisher nicht zu finden" sei, prüfe, kommen erste Zweifel an der Berechtigung der positiven Sichtweise. Der breite Teil der Hinterbank ist heruntergeklappt, und doch sind vier Versuche notwendig, um das 20-Zoll-Fahrrad meiner fünfjährigen Tochter so zu verstauen, dass alle Türen des koreanischen Zwergs ("außen klein, aber innen XXL") dicht schließen. Bis es gelingt, hat das Pedal ein Kinderknie geschrammt, der Hinterreifen dem Interieur mit hässlichem Gummiabrieb etwas von der Frische genommen und der Bremsgriff des Fahrrads eine Butterstulle im Picknickkorb durchlöchert.

Ich würde der Firma Kia Motors Deutschland gern glauben, dass sie seit April "ein äußerst konkurrenzfähiges Auto" in dem "beliebten A-Segment" vertreibt. Aber der Randy in mir kommt nicht zur Ruhe: Der Kia ist klein, klein, klein. Short People , ahne ich, fahren bestimmt Picanto. Diese Erkenntnis untermauernd, mache ich die Zündung an und drücke auf die Hupe: "beep, beep, beep".

Der irritierte Blick der blumengießenden Nachbarin bringt mich zur Vernunft. Ich werde mich nun, entschlossen und in Begleitung von Frau, Kind und Utensilien, mit diesem Kleintier durch den Großstadtdschungel kämpfen. Dann über die Autobahn ans Meer. Genauso entschlossen heult der Picanto auf. Los!

Aber er hört mit Heulen nicht auf. Mein Picanto ist ein Automat. Bis der beim Beschleunigen den zweiten Gang findet, sorgt man sich längst um Zylinderkopfdichtung und Trommelfell. Könnte ich selber schalten, wäre ich längst im Vierten.