BELLETRISTIK Andrzej Stasiuk, der je nach Betrachtungsstandpunkt am Ende der Welt oder im Zentrum Europas, jedenfalls in WoIowic in den Beskiden lebt, ist bekannt als Sänger und Chronist einer unvordenklichen osteuropäischen Gegenwart, in der Urzeit und Jetztzeit sich nach ein paar Gläschen Wodka friedlich vereinen. Die journalistischen Arbeiten Stasiuks, die dieser Band versammelt, handeln von Dichtern (Genet, Hrabal, Beckett, Haupt, Platonow, Camus, Céline, Chandler), von Filmen, Landkarten und Fotografien, aber noch viel mehr von dem, der all dies, einsam und aus weiter Ferne, betrachtet.

Memento mori sind die besten dieser autobiografischen Kurzerzählungen: Erinnerungen an den Nachbarn, der so einsam und nackt sterben wollte, wie er geboren wurde, an die alte Großmutter, die nicht vor dem Tod, nur vor dem Krankenhaus panische Angst hatte. Viel ist die Rede vom Zusammenbruch der transzendenten Wirklichkeit, von der Vertreibung des Geistes durch den Körper, dem Sieg der Technik und der Massenkultur über Religion und Metaphysik. Doch Stasiuk sieht die moderne Welt ein wenig so wie Karlsson vom Dach: Das stört doch keinen großen Geist. Am Ende hat ohnehin alles ein Ende - und er holt uns ein.

Andrzej Stasiuk: Ein Flugzeug aus Karton

Essays - Skizzen, kleine Prosa - a. d. Poln. v. Renate Schmidgall - Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2004 - 231 S., 19,90 e

BELLETRISTIK Graugelbes Licht und hochprozentiger Alkohol, Holzhäuser und Kieswege, Kartoffelfelder und Wildschweine, Stille und Schnee - das Leben, wie es immer schon war in den galizischen Dörfern und wie es in dieser unnachahmlichen polnischen Nostalghia immer noch ist, auch wenn in den Hütten des Nachts das blaue Höllenfeuer aus 24 Fernsehkanälen flackert und sich die blinden und tauben Häuser in die Erde schmiegen, um die Welt zu vergessen.

Andrzej Stasiuk: Galizische Geschichten

A. d. Polnischen von Renate Schmidgall - Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M.