Alte Schule, denkt jeder, der ihm zwischen Monitoren und Spannungsmessern beim Erzählen zuhört, beispielsweise warum sein erstes Auto, ein Pontiac Jahrgang 1957, in ihm ein tiefgreifendes mathematisches Nachdenken auslöste. Der 75-Jährige ist schlaksige zwei Meter groß, verbindlich, aber sachlich, selbst wenn ihm eine Pointe gelingt – ein älterer Herr aus Neuengland. So wie er liefen Ingenieure in den Sechzigern herum, mit knitterfreiem weißen Hemd, aus dessen Brusttasche Bleistifte lugen, dazu eine dunkle Bügelfaltenhose.

Bloß dass Amar G. Boses Stifte inzwischen aus Gold sind.

Es ist ihm ganz recht, wenn man ihn für altmodisch hält. Er kultiviert das seit vierzig Jahren. Sein Team ist genauso technisch korrekt angezogen wie er. In seiner Firma in Framingham, eine halbe Autostunde westlich von Boston, hatte der Dresscode der New Economy nie Einzug gehalten. Die Bose Corporation war vor dem Börsenkrach profitabel, hinterher ebenso, und das Fähnchen eines Hightech-Unternehmens musste man sich nicht aufstecken, weil man seit 1964 eines ist, wenngleich im bescheidenen Gewand eines Markenartiklers für Lautsprecher und Audio-Anlagen.

Wie durch Magie fangen die Räder alle Schläge auf

Aber von wegen Lautsprecher. Doctor Bose, wie sie ihn nennen, hat kürzlich eine überraschende Erfindung präsentiert, die für weltweites Aufsehen sorgen könnte. Sie hat nichts mit Akustik zu tun, aber viel mit Autos.

24 Jahre lang arbeitete er an dieser Sache, heimlich, so geheim, dass seine Ingenieure nicht einmal ihren Familien erzählten, woran sie tüftelten. Dann, selbst Eingeweihte dachten, es würde nie etwas werden, der Finanzvorstand jammerte schon den Millionen nach, die das Projekt gefressen hatte, kam der Augenblick doch: Auf dem Firmenparkplatz rollt eine schwere Limousine über eine künstliche Huckelpiste. Es wackelt und rumpelt. Danach rollt eine zweite Limousine heran, und wie durch Magie bleibt der Fahrer vollkommen ungestört hinter seinem Steuer, während die Räder alle Schläge auffangen. Es folgt ein Elchtest. Der erste Wagen quietscht durch den Schlingerkurs, droht an jeder Markierung auszubrechen, der zweite bleibt stoisch in der Spur. Keiner mag glauben, dass er dieselbe Geschwindigkeit hatte. Amar Bose gefällt, was er sieht.

Zuvor hatte er noch erzählt, dass er die Federung seines alten Pontiac immer für die einzige Schwachstelle dieses ansonsten brauchbaren Autos hielt. Kein Herumschrauben half, die Rumpelstraßen von Massachusetts widerstanden aller Mechanikerkunst.

Erst 1980 nahm Bose sein Federungsproblem in Angriff, dann aber richtig. Ein Autobauer hätte in der Situation versucht, die bestehenden Systeme zu verbessern, sei es durch Stahlfedern oder hydraulische Stoßdämpfer. Nicht so Bose. Er durchdachte die Frage neu. Was folgte, waren fünf asketische Jahre mathematischer Arbeit. Erst danach widmete er sich der Technik – und präsentiert knapp zwei Jahrzehnte später ein völlig neuartiges System der Autofederung. Es beruht komplett auf elektromagnetischer Steuerung.