Was sind "realistische Studiengebühren", Frau Böhmer?

Experten erwarten, dass das Bundesverfassungsgericht nach der Juniorprofessur auch das Verbot der Studiengebühren kassiert. Viele Bundesländer basteln bereits jetzt an Beitragsmodellen. Sie plädieren für "realistische Gebühren". Was muss man sich darunter vorstellen?

Die Beiträge der Studenten sollten sich an den tatsächlichen Kosten ihrer Ausbildung orientieren. Ein Germanistikstudent kostet die Universität erheblich weniger als ein Chemie- oder Medizinstudent. Dieser Unterschied sollte sich in der Gebührenhöhe niederschlagen.

Warum?

Studiengebühren schaffen mehr Bildungsgerechtigkeit. Es ist nicht einzusehen, dass die Krankenschwester mit ihren Steuern das Studium des Chefarztes finanziert. Genauso wenig ist eine Quersubventionierung zwischen unterschiedlich kostenintensiven Fächern zu begründen. Auch sollte man überlegen, ob man für ein Bachelor-Studium nicht weniger verlangt als für einen Master-Abschluss. Denn auch hier fallen unterschiedliche Kosten an.

Das wird für den angehenden Mediziner aber teuer: Seine Ausbildung kostet rund 30000 Euro pro Jahr.

Niemand soll die vollen Kosten zahlen. Es geht vielmehr darum, dass der Student sich daran realistisch beteiligt. Das hieße für mich auch, dass auch der Bafög-Empfänger die Beiträge bezahlt, wobei man natürlich gewährleisten muss, dass es für bedürftige Studenten Stipendien und Darlehen gibt.

Wie groß sollten die Unterschiede Ihrer Auffassung nach von Fach zu Fach sein?

Was sind "realistische Studiengebühren", Frau Böhmer?

Ich halte gestaffelte Gebühren zwischen 500 und 1200 Euro für angemessen. Welche Abstufungen die einzelne Hochschule vornimmt, muss sie jedoch unbedingt selbst entscheiden.

Warum?

Weil sich der Staat möglichst weit aus der Ausgestaltung der Gebühren heraushalten sollte. Die Wissenschaftsministerien sollten sich darauf beschränken, eine Obergrenze festzulegen. Alles andere ist Sache der Hochschulen.

Interview: Martin Spiewak