Die Diskussion um das Arbeitslosengeld II hat viel von Theaterdonner an sich. Zwar ist es für die zahlreichen Betroffenen sehr wichtig, wann die erste Auszahlung erfolgen wird und ob auch Ausbildungsversicherungen der Kinder aufgelöst werden müssen. Doch das zentrale Problem der Misere Massenarbeitslosigkeit kommt überhaupt nicht in den Blick: dass der enorme Arbeitsplatzmangel strukturelle Ursachen hat, die mit dem dramatischen Rückgang des Volumens herkömmlicher Erwerbsarbeit zu tun haben.

Die Hartz-Gesetze - eine Politik der Organisierung, Disziplinierung und Drangsalierung der Arbeitslosen - ändern an diesem Tatbestand gar nichts. Die an sich sinnvolle(n), ja sogar überfällige(n) Veränderungen von Hartz IV werden die Kluft von Wohlhabenden und Bedürftigen in der Gesellschaft vertiefen und das soziale Scheitern der großen Berliner Koalition von Rot-Grün-Schwarz-Gelb beschleunigen.

LUDGER GAILLARD, GÖTTINGEN

Bismarck und Dickens hätten es sich bestimmt nicht träumen lassen, dass sie im 21. Jahrhundert als melodramatisches Remake in aller Munde sein werden. Im Mittelpunkt stehen Millionen Arbeitslose und die Regierung. Das Armenhaus hat angebaut, Taschendiebe gibt es nicht, da sich leere Taschen nicht ausrauben lassen.

Bismarck ist inzwischen Science-Fiction-Held und treibt zum Brückenbau, um eine angemessene Wohnsituation für die Bevölkerung zu schaffen. Das Gesundheits- und das Rentenwesen sind aufgrund natürlicher Auslese saniert.

Kinder haben Anspruch auf eine dreimonatige Survival-Ausbildung in Pisa. Der letzte Akt zeigt eine Armenküche, sponsored by deutsche Unternehmer, die im Ausland produzieren.

Ein Film, bei dem man genau weiß, dass man weinen soll. Dem Regisseur Schröder gelingt mit seinem intensiven Drama ein ärmliches, aber bewegendes Werk. Nach der Premierenfeier verbreiteten sich Übelkeit und Erbrechen unter der Bevölkerung nahezu epidemisch. Politikern wird wegen der gesundheitsgefährdenden Realitätsnähe empfohlen, ihren Leibarzt zurate zu ziehen.