Es war einmal das Wunder von Bern. Rahn konnte schießen, Rahn schoss, und das durch Naziherrschaft, Vernichtungskrieg und totalen Zusammenbruch angeknackste deutsche Selbstbewusstsein war schlagartig gesundet.

So hübsch trivialmythisch werden die nachgeborenen Iraker womöglich auch einmal reden, wenn sie auf die Heldentaten ihrer Fußballer bei Olympia 2004 in Athen zurückblicken. Schön wär's zumindest, und passen würde es zu diesem wahren Märchen: Auferstanden aus den Ruinen der Saddam-Herrschaft und des US-Präventivkriegs, dem Bombenalltag der Nachkriegsperiode entsprungen, stürmten elf irakische Ballkünstler in Medaillennähe. So was schafft mehr Zukunftshoffnung als sämtliche Drohgebärden des irakischen Präsidenten: ein spektakuläres Erfolgserlebnis vor den Augen aller Welt, das sich mit dem neuen Irak verbindet.

Die Propagandisten der Bush-Regierung wären freilich nicht die politischen Autisten, als die sie berüchtigt sind, hätten sie die Party nicht peinlich gestört. Konnten sie es sich doch nicht verkneifen, die Anwesenheit irakischer und afghanischer Sportler bei Olympia zu Wahlkampfzwecken zu vereinnahmen: Ihre neue Freiheit unter den fünf Ringen verdankten beide Länder niemand anderem als George W. Was den irakischen Nationaltrainer zu einem bitteren Dementi nötigte. Sein Team vertrete nicht die Freiheit, sondern ein besetztes, von schrecklicher Gewalt geplagtes Land. Leider wahr und eben der Unterschied zu 1954: Zwischen den verbliebenen deutschen Trümmern explodierten damals allenfalls noch Blindgänger.