Sie schreiben, die Ich-AG könnte den Staat Milliarden kosten, wenn clevere Arbeitslose sich einfach selbstständig machen. In meinem Fall war allerdings nicht ich es, die auf diese glorreiche Idee kam, sondern mein Arbeitsamt. Als frisch promovierte Akademikerin hatte ich aus meiner Tätigkeit an der Uni einen einjährigen Anspruch auf Arbeitslosengeld, beeindruckende 202 Euro pro Monat.

Ich meldete mich arbeitslos und arbeitete, ordnungsgemäß dem Arbeitsamt gemeldet, freitags als Lehrbeauftragte. Prompt wurde ich an einem Freitag einbestellt. Als ich darauf verwies, dass ich wegen des Lehrauftrags nicht kommen könne, lud man mich erneut vor und stellte mich vor eine merkwürdige Wahl: Durch mein Verhalten müsse ich als nicht vermittelbar eingestuft werden, da ich nur einen Job von montags bis donnerstags suche, und man müsse mir deshalb voraussichtlich mein Arbeitslosengeld streichen. Ich könnte doch aber eine Ich-AG gründen und in diesem Rahmen meinen Lehrauftrag ausüben. Es kam sogar der Leiter des Arbeitsamtes persönlich, um mich von dieser Idee zu überzeugen. Einwände meinerseits, ich wolle mich gar nicht selbstständig machen, ließ man nicht gelten.

Hätte ich mir aus lauter Ehrlichkeit freiwillig das Arbeitslosengeld streichen lassen sollen? Wohl kaum. So bin ich mehrere Monate unverdient in den Genuss von 400 Euro netto gekommen, und mein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht nach wie vor.

Die Verschwendung von Steuergeldern in meinem Fall ist jedenfalls hausgemacht.

E. FOBBE, WERNIKOW