Gerade hatte der französische Superminister für Wirtschaft und Finanzen Nicolas Sarkozy sein Wunderprogramm für die Stimulierung des Konsums bei gleichzeitiger Senkung der Staatsausgaben vorgelegt, da kommt ihm ein ebenso ehrgeiziger Kollege ins Gehege. Nicht nur der Finanzminister bestimmt über das Wirtschaftswachstum, sondern auch der Sozialminister, sagt Jean-Louis Borloo, der neue Minister für Arbeit und Soziales. Er hat im Kampf gegen Sarkozy jetzt nicht nur eine massive Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns durchgesetzt, sondern ebenso eine Senkung der Unternehmensabgaben.

Finanzieren will er diese Mehrkosten mit dem Geld, das Sarkozy eigentlich zur Senkung der Staatsschulden vorgesehen hatte. Rund fünf Milliarden Euro mehr Steuern erhofft sich Frankreich durch die günstige Konjunktur 2004. Der ehemalige Prominentenanwalt Borloo, der schon als früherer Städteminister erfolgreich gegen soziale Probleme in den Städten gekämpft hatte, scheint sich nun auf den liberalen Sarkozy einzuschießen: Ich möchte lieber vier Millionen Franzosen eine Arbeit geben als die Schulden zurückzahlen.

Dass Borloo sich diese Konfrontation mit dem Finanzminister traut, liegt an seinem Rückhalt durch Präsident Chirac, der ihn als Hauptwaffe in der Abwehrschlacht gegen den Präsidentschaftsanwärter Sarkozy benutzt. Die rupture sociale, der soziale Bruch, gegen den Chirac einst als Präsident angetreten war, geht jetzt mitten durch seine Regierung.