Zarte Madonnen, Engel mit lockigem Haar, Goldgrundtafeln von Duccio, Botticelli, Pinturicchio - rund hundert wertvolle Altmeistergemälde hängen zurzeit in der Kirche Santa Maria della Scala in Siena. Eine unglaubliche Ausstellung, die nur einen kleinen Haken hat: Die Bilder sind alle falsch.

Schon der renommierte Kunsthistoriker Bernard Berenson ließ sich in den zwanziger Jahren von den vermeintlichen Meisterwerken blenden und hielt sie für echt. Doch sie stammen aus der Werkstatt des Restaurators Icilio Federico Joni. Zunächst schuf Joni, ein begnadeter Maler, redlich Kopien der Altmeister. Doch als diese zunehmend von renommierten Experten für authentisch erachtet wurden, beschloss er, das klärende Beiwort wegzulassen.

Mit den Passierscheinen der Kenner ausgestattet, schafften es Jonis Bilder bis in so bedeutende Sammlungen wie Griggs, Stoclet, Lehman oder Frick.

Entsprechend groß war die Bestürzung, als Joni 1932 seine Memoiren eines Malers alter Bilder veröffentlichte. Der ehrliche Fälscher wurde zum Schreckgespenst des Kunstmarktes, hinter jedem Goldgrundtäfelchen vermutete man nun seine Hand oder die seiner Gehilfen. Der Kunsthistoriker Gianni Mazzoni, Enkel eines senesischen Antiquitätenhändlers und Joni-Vertrauten, ist mit der Fälscherstory groß geworden, folgt den Spuren der Bilder seit Jahren und hat sie nun für die Ausstellung unter dem Titel Falsi d'autore zusammengetragen (bis 3. Oktober - www.falsidautore.siena.it). Es gibt noch sehr viel mehr Werke dieser Provenienz, sagt Mazzoni, doch viele Besitzer glauben lieber dem schönen Schein und wollen nicht sehen, was die Bilder wirklich sind: perfekte Nachahmungen des 20. Jahrhunderts.