Schon bei der Ankunft ist man traurig, weil man weiß: Es wird eine Abreise geben! Das paraiso portugués heißt Hotel Adolfo da Quinta und versteckt sich in zehn Hügel-Hektaren eines naturgeschützten Parks an der Algarve. 560 uralte Bäume, auf denen Johannisbrot, Oliven, Mandeln und Eukalyptus wachsen, umstehen kleine Villen und Landhäuser mit Zimmern und Suiten für 100 Gäste. Das Ensemble trägt die diskrete Eleganz einer schlichten Herrenhausarchitektur vergangener Jahrhunderte, mit klösterlichem Touch. 40 cremefarbene Buntsandsteinsäulen tragen in der Mitte des grünen Geländes die Oase eines Kreuzgangs mit Orangenhain und Wasserspiel.

Einst war es ein heruntergewirtschaftetes Bauerngut, das ein deutscher Maler namens Adolfo als Winteratelier und Künstlerkolonie errichtet hatte. Heute ist die Anlage in portugiesischem Familienbesitz unter deutscher Leitung. Mit Verve und Charme dirigiert die einstige Steigenberger-Schülerin Michaela Fricke die 50-köpfige deutsch-portugiesische Equipe, die den Gast umsorgt vom Liebespaar-Nest im verschwiegensten Winkel bis zur Prinzen-Bleibe mit Palladio-verdächtigem Portal vor einem der drei blitzblauen Pools. Nirgendwo Protz, nur ist alles sehr gepflegt und strahlt in heller Harmonie. Selbst die Details sind stilsicher gewählt: vom Waschlappen über den Bademantel in schwerem Frottee, alles in Weiß und Beige, von der Wandkachel zur Bodenfliese, von Blume zur Vase zum Bild. Ungewöhnlich die ästhetische Konsequenz, mit der die vitalen Gemälde aus dem Nachlass des Namensgebers überall gehängt sind. Die Absenz des international üblichen Nobelkitsches tut der Ruhe und Konzentration suchenden Seele genauso gut wie das ungewöhnliche Mentaltraining von Frank Fricke. Der ehemalige Psychologe ist hier der Herr der Schläger und Bälle, er betreut die hauseigene Golf-Akademie mit drei Greens auf 20 000 Quadratmetern gepflegtesten Rasens. Golf, sagt er, kann man als Sport betreiben oder aber mit der Seele spielen. Mit solchen Sätzen schafft er es, auch Menschen für Golf zu begeistern, die sonst nie einen Schläger in die Hand genommen hätten. Nicht minder ambitioniert sind die Gymnastiklehrer. Sie kümmern sich um das Wohl der Wirbelsäule des Gastes, was nicht unanstrengend, aber doch vom Feinsten ist. Dafür steht selbst der Morgenmuffel gerne früh auf und möchte keine Stunde missen!

Noch läuft in diesem Eden auf dem Weg vom einstigen Artistenzirkel zur Tophotellerie von morgen manches unrund. Sauna und Fitness sind unterentwickelt, erhebliche Schwankungen in Service und Küche, die eine klare kulinarische Linie vermissen lässt: Highlights bei Vor- und Nachspeise, doch der heimische Fisch schwimmt zu selten in die Kasserolle, und das Fleisch ist feige gewürzt. Aber wie liebevoll der Five o'Clock Tea, bei dem man die Zeitung lesen möchte. Fragt sich nur, wo? Man kann sich kaum entscheiden zwischen dem Sessel unter der Steineiche und der Liege unter Palme oder Pinie, unter Agave und Bougainvillea, zwischen solitärem Stühlchen und einem Pavillon. Und wer vom Meerblick direkt an den Atlantik will, lässt sich vom Shuttle gratis hin und her chauffieren. Nach dem Wellenbad die Weinprobe?

Nach dem Golfturnier das Gitarrenkonzert? Kochkurs? Jazz-Matinee? Oder Rückzug in die Stille vorm Kamin?

Mag es auch noch eine schöne Anstrengung sein auf dem Weg von Ausreißern mediterraner Lässigkeit hin zur angestrebten makellosen Leichtigkeit - Ich habe den herrlichsten Arbeitsplatz der Welt!, schwärmt die Direktorin. Wer wollte ihr da widersprechen?

Hotel Adolfo da Quinta, Sito dos Calicos, Algarve, P-8700-069 Moncarapacho, Tel. 00351/289 79 07 90, www.adolfo-da-quinta.de. Zwei Personen im Doppelzimmer mit Frühstücksbufett pro Tag 138 Euro, in der Suite 228 Euro