DIE ZEIT: Herr Wellmer, Benzin und Diesel sind sündhaft teuer. Geht uns das Öl aus?

Friedrich-Wilhelm Wellmer: Kurzfristig natürlich nicht. Zwar sind die Ölvorräte in der Erdkruste begrenzt. Irgendwann wird nichts mehr da sein. Aber von diesem Zeitpunkt sind wir noch weit entfernt.

ZEIT: Noch 43 Jahre, wenn Ihre Statistik stimmt.

Wellmer: Vorsicht! 43 Jahre beträgt zwar die so genannte statische Reichweite des Erdöls, da haben Sie Recht. Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Tatsächlich besagt die magische Reichweitenziffer nur eins: Bei gegenwärtigem Verbrauch reichen die heute bekannten Ölreserven rein rechnerisch noch für 43 Jahre. In Wirklichkeit aber wachsen die Ölreserven, weil der technische Fortschritt die Ausbeutung von Vorkommen ermöglicht, die früher unerreichbar waren. Zum Beispiel können wir heute Erdöl aus 2000 Meter unter dem Meeresspiegel fördern.

ZEIT: Erleben wir denn nicht schon, dass die weltweite Ölförderung mit der Nachfrage nicht mehr Schritt halten kann?

Wellmer: Richtig. Aber es ist nicht der Mangel an Ölreserven, der die Preise hat steigen lassen, sondern der Mangel an Förderanlagen. Dieser Mangel und die steigende Ölnachfrage, vor allem aus China, haben den Markt aus dem Gleichgewicht gebracht. Es hakt also an der Technik, nicht an vermeintlich leer gepumpten Lagerstätten.

ZEIT: Wirklich? Die größten Ölfelder der Erde geben schon seit Jahren immer weniger her. Gleichzeitig werden immer weniger neue große Vorkommen entdeckt. Ist das nicht eher bedrohlich?