Drohungen aus Teheran, Tel Aviv und Washington – dann wieder sanftere Töne, so will es die Regie einer Aufführung in Wien. Die dortige Atombehörde der Vereinten Nationen, die IAEA, stellt in dieser Woche wieder einen Bericht über Inspektionen in Iran zusammen. Es wird ein dünner Text, und vieles darin bleibt ungeklärt. Zwar lassen sich zwei Gruppen von Partikeln hoch angereicherten, waffentauglichen Urans, die bei Inspektionen gefunden wurden, auf eingeschleppte Verunreinigungen von Maschinen zurückführen, nicht also auf ein iranisches Atomprogramm, aber dafür wurde eine dritte Spur entdeckt. Sie muss ebenfalls aufgeklärt werden.

Über allem steht die Frage, ob Teheran nuklear rüstet. Hier die Antwort: Niemand außer den Mullahs weiß es. Ihr Verhalten in der Vergangenheit (täuschen, beschönigen, zugeben, und wieder von vorn) ähnelt zwar demjenigen eines benachbarten, unlängst gestürzten Diktators – aber es hat sich, siehe Irak, als wenig hilfreich erwiesen, nur aus früherem Verhalten auf die Gegenwart zu schließen. Amerika will Iran vor den UN-Sicherheitsrat zerren, es wäre indes ein Desaster, wenn dieser weder Tatbestände (Nuklearrüstung) feststellen noch Rechtsfolgen (Sanktionen) verhängen könnte.

Die Lage Irans ist komfortabel. Wenn bisherige IAEA-Reports nicht ausreichten, das Land vor den Sicherheitsrat zu bringen, dann taugt dieser neue noch weniger dazu. Und die Gegenseite ist geschwächt. Amerika steckt im Wahlkampf, und die drei mit Teheran verhandelnden Europäer – Großbritannien, Frankreich und Deutschland – sind uneins darüber, was das Missgeschick ihrer Iran-Diplomatie bedeutet: Teheran fühlt sich nicht länger verpflichtet, wie vereinbart die Urananreicherung zu unterbrechen. Und nun?

Das Ziel bleibt: verhindern, dass Iran waffentaugliches Spaltmaterial produzieren kann. Doch wenn Teheran auf sein Recht auf Nukleartechnik für friedliche Zwecke pocht? Vielleicht hilft eine Konkretisierung des europäisch-iranischen Deals: Eintausch des Rechts auf Urananreicherung gegen handfeste Vorteile wirtschaftlicher Art, inklusive Hilfe beim AKW-Bau. Auf Dauer machen die Mullahs das aber nur mit, wenn der Verzicht nicht von Iran allein verlangt wird. Also muss die Reform des Sperrvertrages beginnen. Ein Anfang wäre ein von mehreren Ländern getragenes Moratorium des Erwerbs von Brennstofftechnik; die Belohnung wären garantierte Lieferung und Rücknahme der Brennstäbe sowie die von Iran begehrteste Ware: Prestige. Gero von Randow