Es muss krachen

Ein Sommerabend draußen auf dem Lande in East Anglia, drei Autostunden nordöstlich von London. In einem alten strohgedeckten Bauernhaus in der Nähe des Städtchens Stowmarket haben Herr und Frau Ravenscroft gerade zu Abend gegessen. Nachdem das Geschirrklappern in der Küche abgeklungen ist, senkt sich absolute Ruhe über das Haus und über die Felder ringsum. Ein Schaf blökt noch mal. Herr Ravenscroft hat sich ins Wohnzimmer begeben, das über eine sehr schnelle Datenleitung mit der BBC-Zentrale in London verbunden ist. Die Ruhe währt eine gute Viertelstunde. Um exakt 22.00 Uhr zerfetzt eine schmerzhaft laute Rückkoppelung die Stille, jault auf und ab, und eine Frauenstimme fragt, auf Deutsch und mit einigem Nachdruck: "Haben Sie alles mitbekommen? Haben Ihre Transmitter und Synapsen funktioniert? Haben die Hemisphären Ihres Hirns die Vorgänge einordnen oder gar: zu einem Gesamtbild verarbeiten können?"

Lauter gute Fragen. Doch schon vor dem letzten Fragezeichen bollert eine amerikanische Gitarrenband los mit einem Lied über die Namensschildchen an den Zehen menschlicher Leichen.

Der 64 Jahre alte John Ravenscroft, besser bekannt unter seinem Künstlernamen John Peel, beschallt von seinem Wohnzimmer aus gerade wieder ganz Großbritannien. John Peel ist der liebe Gott eines musikalischen Universums, dass er, typisch Gott, eigenhändig geschaffen hat. Aus Dankbarkeit dafür verlieh ihm die englische Musikzeitschrift New Musical Express vor etlichen Jahren den – eigens für ihn geschaffenen – Godlike Genius Award. Doch auch Menschen, denen seine Musik extrem auf die Nerven geht, wissen ihn zu schätzen. Vor einigen Monaten bot ihm der Verlag Transworld nach hartem Wettbieten knapp 2,2 Millionen Euro für die Rechte an seiner Autobiografie, die er derzeit verfasst. Höhere Memoirenpreise erzielten in England bisher nur Margaret Thatcher und David Beckham. Womit hat John Peel das verdient?

"Die BBC hat es mir ermöglicht, als eine Art Patron der Künste zu wirken"

Er legt in seinen Radiosendungen Platten auf, die ihm gefallen. Das tut er nun schon seit 38 Jahren. Zu hören sind bei ihm heutzutage, gern auch in dieser Mischung: kreischende Punk-Mädchen aus Japan, ein blinder Bluessänger aus den Zwanzigern, abstrakte Elektroniktüfteleien aus Berlin, hypersensible Songschreiber aus Glasgow, Gitarrenpop aus Simbabwe, blutlüsterne Death-Metal-Zombies aus Florida, laut knisternde Reggae-Importe aus Jamaika. Und alles dazwischen und vieles darüber hinaus.

Als ihr gemeinsamer Nenner ließe sich benennen: Little Richard. "Als ich mit 13 das erste Mal, ohne jede Vorwarnung, Little Richard schreien hörte", erzählt John Peel mehr als 50 Jahre nach diesem Einschnitt, "da klang das so wild, so exzessiv, dass ich echte Angst hatte, auf der Stelle wahnsinnig zu werden. Im Grunde ist es diese Erfahrung, auf die ich noch heute jedes Mal hoffe, wenn ich eine unbekannte Platte auflege."

Durch diesen Kern des ironiefreien Wahnsinns unterscheidet sich Peels Musikwelt auf beglückende Weise vom sterilen Eklektizismus der Postmoderne. Seine geradezu zwanghafte Suche nach dem Neuen trieb ihn dazu, 1976 als Erster bei der BBC Punk-Platten aufzulegen, ein paar Jahre später die ersten Rap-Platten, dann Techno und Drum & Bass und bis heute immer so weiter, verästelt in immer radikalere Sub-Sub-Genres, immer entlang der neuesten Grenzen des musikalisch Möglichen.

Mit guten Gründen kann man John Peel als den einflussreichsten DJ der Welt bezeichnen. Seine unverwechselbaren Programme sind über den BBC World Service in so ziemlich allen Ländern der Welt zu hören. Zum Patenonkel des Pop-Undergrounds in Deutschland wurde er in den Achtzigern und Neunzigern mit seinen Sendungen für den englischen Soldatensender BFBS, für Radio Bremen, Radio Eins in Berlin. Via Antenne ist er hierzulande nur noch über den BBC World Service und den kleinen Hamburger Sender fsk zu empfangen.

Es muss krachen

Der riesige Marktwert seiner Biografie verdankt sich weniger dem öffentlichen Interesse an den Interna der japanischen oder finnischen Punk-Szene, sondern eher der Neugier auf diesen ungewöhnlichen älteren Herrn im Zentrum der Popgeschichte. Und seinem Erzähltalent. John Peel hat viel zu erzählen – was er in seinen Sendungen auch ausführlich tut: von seiner Zeit als Bürobote in Dallas Anfang der sechziger Jahre, wo er dank seines Liverpooler Akzents als Beatles-Experte ins Radio gelangte (und daraufhin als Ersatz-Beatle von Horden junger Texanerinnen verfolgt wurde); von der frühen Hippie-Szene in Kalifornien, wo er von 1963 bis 1966 lebte; von seinem Jahr bei einem Piratensender auf einem Schiff vor der Küste Englands, wo ihm eine Sekretärin den eingängigen Namen John Peel verpasste; von seiner Liebe zur BBC, die ihn 1967 für ihren neuen Musiksender Radio 1 anheuerte und seither gewähren lässt. Dies ist das Gerüst für einen unermesslichen Schatz von Anekdoten, die in seinen Sendungen mit gleicher Wahrscheinlichkeit von einem Plattenladenbesuch in Barcelona handeln, von den Eigenarten seiner vier Kinder, den letzten Spielzügen seines verehrten FC Liverpool oder dem Hühnerfutterverkäufer im Dorf nebenan. Und immer wieder von Melancholie- und Euphorieschüben aller Art. Wenn er ins Plaudern gerät und von den Vor- und Nachteilen des Alterns erzählt, den Zumutungen seiner Diabetes und den Absurditäten des modernen Englands, dann haben seine mäandernden Moderationen mehr Ähnlichkeit mit Michel de Montaignes Essais als mit den üblichen Ansagen von Musikstücken im Radio.

Und wenn er einem nun gegenübersitzt, in der Morgensonne vor seinem alten Bauernhaus, rundlich, robust, mit akkurat geschnittenem Vollbart, umgeben von Ackerlandschaft, dann kann man ihn sich ohne weiteres als einen etwas exzentrischen Sammler und Enzyklopädisten des 17. Jahrhunderts vorstellen. In seinem Haus (und einigen Lagerschuppen rundherum) hat er in den vergangenen Jahrzehnten Tonnen und Abertonnen von Schallplatten aller Art angehäuft, hauptsächlich Vinyl, wenngleich das CD-Format, dem er sich lange widersetzt hat, auch in dieser Sammlung allmählich aufholt. Größtenteils penibel sortiert – alphabetisch und chronologisch, nicht etwa nach Genres –, lagert hier die komplette Geschichte der hörenswerten Popmusik, von 1900 bis heute morgen.

Gerade war wieder der Postbote da, mit dem täglichen Arm voll Post von Labels und Kleinstlabels, vor allem aus Europa und Amerika. "Ich bekomme heute mehr Musik zugeschickt als je zuvor", sagt er, "sehr viel mehr, als ich je in meinen Sendungen spielen kann. Es gibt eine unfassbare Kreativität, jeden Tag stoße ich auf neue Leute, die in ihrer Musik absolut erstaunliche Dinge tun."

Von der Weltuntergangsstimmung der Musikindustrie trennt ihn die sichere Entfernung zwischen Stowmarket und London. "Es gibt jetzt einen direkteren Kontakt zu den Musikern", sagt Peel, "ohne den Umweg über irgendwelche PR-Abteilungen. Wenn nun die Musikindustrie, wie wir sie kennen, kollabiert, dann tut es mir natürlich leid für die Leute, die dabei ihren Job verlieren. Aber sonst stört es mich eigentlich nicht. Es werden weiterhin sehr viele sehr gute Platten gemacht werden."

Arme Musikindustrie. Aber nachdem vielleicht schon genügend Karriere-Bands in der Absicht gegründet worden sind, die neuen Beatles, Stones oder Take That zu werden, gibt es tatsächlich jede Menge Musiker, die in ihren eigenen, besser noch: sehr eigenen Klängen einen Selbstzweck sehen. In John Peels Programmen lässt sich von Woche zu Woche verfolgen, wie sich deren entfesseltes Treiben in immer neue Zweige ausdifferenziert. Ein Albtraum für langfristig planende Plattenkonzerne, ein Genuss für Freunde des Neuen: "Etwa 85 Prozent der Stücke in meinen Sendungen wurden vorher nie im Radio gespielt, zumindest nicht von mir. Die BBC hat es mir ermöglicht, als eine Art Patron der Künste zu wirken, wie es sie im 17. oder 18. Jahrhundert gab. Mit dem großen Unterschied, dass ich nicht so viel eigenes Geld dafür ausgeben muss wie die."

Gelegentlich steigen von Peel protegierte Bands in die Hitparaden auf. Zumeist aber wachsen und gedeihen sie in Peels Paralleluniversum, während sich die Musikkonzerne ihre eigenen Bands in Casting-Shows züchten. "Fairerweise muss man sagen: Die großen Plattenfirmen haben nie so getan, als seien sie zu etwas anderem da, als möglichst viel Geld zu verdienen, von dem sie den Musikern möglichst wenig abgeben. Sie sind Investitions- apparate." Zu deren Glück ist die weltweite Nachfrage nach dem Altvertrauten und Altbackenen nach wie vor sehr viel größer als die nach aufwühlenden Experimenten. "Ich will mich gar nicht darüber erhaben fühlen", sagt Peel. "Ich kann verstehen, dass die Leute in unsicheren Zeiten nach Stabilität suchen. Wenn sie die im Mainstream der Popkultur finden, ist das für sie sicherlich besser als nichts. Das Resultat ist allerdings eine ziemlich statische Kultur."

Deren Resultat wiederum eine umso dynamischere Gegenkultur ist. "Man redet ja schon sehr lange vom so genannten Underground", sagt Peel. "Ich glaube, dass die Notwendigkeit einer Underground-Kultur immer deutlicher wird." Peel, der sich als "altmodischen Sozialisten" bezeichnet, versteht sich dabei nicht als heroischen Oppositionellen. "Manche der Leute, für die ich meine Sendungen mache, sehen sich gern als verfolgte Minderheit. Bei manchen stimmt das zwar tatsächlich – für das Anhören des BBC World Service kann man in bestimmten Ländern ins Gefängnis geworfen werden – aber andere genießen es auch nur, sich von einer gesichtslosen Autorität unterdrückt zu fühlen, auch wenn das gar nicht unbedingt der Fall ist."

Es muss krachen

Dass gefühlte Unterdrückung ihrerseits zur Unterdrückung führen kann, musste Peel besonders in der Punk-Ära erleben. "Die Punks mochten keinen Soul. Ich schon. Ich bekam dauernd Briefe: Hör auf, diese Scheiße zu spielen, spiel uns mehr Punk! Ich wiederum sagte: Fuck you! Immer wenn ich merke, dass da irgendeine Kampagne läuft, spiele ich solche Sachen erst recht."

Es war wohl eine ähnliche Trotzhaltung, die sein Interesse an Bands aus Deutschland verstärkt hat, deren Erzeugnisse in den englischen Musik- und Massenmedien reflexhaft als teutonische Blitzkriegs-, Panzer- und Marschmusik abgetan werden. "In der Schule durften wir nie Deutsch lernen, Deutsch war böse, schlecht, pfui. Ich bin zwei Tage vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs geboren. Meine früheste Erinnerung ist der feuerhelle Himmel über Birkenhead und Liverpool, nach den Bombenangriffen der Nazis." Die andauernde Deutschen-Ächtung der britischen Boulevardpresse kippte bei ihm um zu einer Art Deutschen-Bonus. "Heute spiele ich mehr Musik aus Deutschland als je zuvor, mehr noch als zu Zeiten von Can, Tangerine Dream, Amon Düül und diesen ganzen Leuten." Neben zahllosen experimentellen Elektronikern mit schwer auszusprechenden Namen wie Rechenzentrum oder Schlammpeitziger gehört besonders die Gruppe FSK mit ihren bayerisch-texanischen Feldforschungen zu seinen Favoriten.

Die weltweite Suche nach dem Neuen betreibt Peel ohne eigenen Internet-Zugang. "Da ich ein ziemlich obsessiver Typ bin, ist es wohl besser, wenn ich dem Internet fern bleibe. Am meisten Angst hätte ich davor, mich bei eBay auf das Ersteigern von Platten einzulassen. Da würde ich sehr schnell Bankrott gehen." In digitalen Abspielgeräten wie dem iPod sieht er keineswegs die Werkzeuge kreativer Emanzipation, als die sie derzeit gefeiert werden: "Ich finde, der iPod wirkt sich zu sehr gegen neue Musik aus. Die Leute laden ihre Favoriten drauf und hören nur noch die."

Dafür hat John Peel keine Zeit. Mit dem Anhören neuer Platten beginnt er meist morgens um neun, bei der ersten Tasse Tee – und macht dann mehr oder weniger den ganzen lieben langen Tag so weiter. Mehr Platten kann ein Mensch nicht hören, trotzdem sagt er: "Ich fühle mich manchmal schuldig, weil ich der vielen Musik nicht gerecht werden kann. Das ist heute schwieriger als in den frühen Siebzigern. Da wusste man schon im Frühling, dass im November die neue Led Zeppelin herauskommt. Bis es so weit war, konnte man eben nur alte Sachen spielen. Seither haben sich die Dinge immer weiter beschleunigt, bis zum heutigen Tag."

Die steigende Menge eintreffender Platten trifft auf John Peels abnehmende Geduld: "Das ist ziemlich normal, wenn man älter wird. Man wird mürrischer, man denkt an seine verbleibende Lebenserwartung und denkt sich: Diese kostbare verbleibende Zeit möchte ich nicht damit vergeuden, irgendeinen alten Mist noch mal zu hören." Also wird beherzt ausgesiebt, besonders rabiat ist die Vorauswahl: "Ich muss leider zugeben, dass bei der ersten Sichtung eines CD-Stapels viele meiner Kriterien ausgesprochen kindisch sind. Wenn die Musiker lustige Hüte tragen, landen sie sofort – ganz weit unten im Stapel. Das ist natürlich sehr unfair. Für mich gibt es jedoch keine Möglichkeit, es anders zu machen. Das Anhören von Platten kann ich weder beschleunigen noch delegieren."

Wenn es dann zum Anhören kommt – welches sind dann nun eigentlich die Maßstäbe dieses Kunstmusikpatrons? "Ich habe es nie geschafft, das angemessen zu erklären. Eigentlich möchte ich es auch gar nicht allzu genau analysieren, denn dadurch könnte das Entscheidende verloren gehen."

Eine wilde Mischung gegen kulturelle Frühvergreisung

Es muss krachen

Für seine Hörer ist der Unterschied zwischen Peelmusik und Nicht-Peelmusik so klar wie der zwischen Tag und Nacht, wenn nicht gar Leben und Tod. Aber lässt er sich auch in Worte fassen? Die meisten der von Peel geschätzten Eigenschaften würde heute so ziemlich jeder Popmusiker für sich reklamieren, auch und gerade diejenigen, die definitiv Nicht-Peelmusik machen. Gesangsschauspieler wie Tom Waits geben sich unentwegt schwer authentisch, Chartmusiker wie Sting finden sich innovativ, wenn sie gepflegten Jazzpop produzieren. Niemals, bei aller Aufgeschlossenheit, würde John Peel deren Platten auch nur in die Hand nehmen. Ähnlich verhält es sich mit dem Großteil der Musik, die in der so genannten Alternativ- oder Independent-Szene propagiert wird, oft erstaunlich konservativen Varianten des Altbekannten.

Tatsächlich finden sich Parallelen zum Wahlverfahren dieses DJs noch am ehesten auf dem Kunstmarkt. Die dort organisierte Suche nach dem jeweils Neuen, dem "Authentischen", gern auch Irritierenden ist für eine bestimmte Sorte Mensch von existenzieller Bedeutung und wird vom Rest unserer Gesellschaft zwar nicht immer verstanden, aber mindestens achselzuckend toleriert – Kunst halt –, wenn nicht gar ehrfürchtig subventioniert. Auf weniger Verständnis hoffen darf die sehr ähnlich gelagerte Beschäftigung – dieselben Kriterien, dieselbe existenzielle Bedeutung – mit einer Musik, die weder Klassik noch Jazz ist und deswegen immer noch unter dem irreführenden Begriff "Pop" firmiert, dessen äußerstes Gegenteil sie doch in vieler Hinsicht ist. "Ich werde jetzt immerhin 65. Manche Leute wundern sich, dass ich mich in diesem Alter noch so für diese Musik interessiere. Aber die haben sich auch schon vor 20 Jahren darüber gewundert. Seltsam, in der Literatur oder im Theater sagt nie jemand: Sorry, du bist jetzt über 40, du darfst leider nur noch die Bücher lesen und die Stücke sehen, die du schon kennst."

Wenn es nach John Peel ginge, könnten mit dem Niedergang der globalisierten Musikindustrie gleich zwei komplementäre Übel dahinschwinden: mit der industriell gefertigten Musik die dazugehörigen Stars. "Ich finde diese Prominenzbesessenheit in unserer Kultur sehr beunruhigend. Man sieht überall, wie das Berühmtsein die Leute beschädigt. Meine Frau Sheila und ich haben eine ganze Menge Freunde an das Showbiz verloren. Nicht wegen der Drogen oder so, sondern weil sie, aus meiner Sicht, einfach verrückt geworden sind. David Bowie ist ein gutes Beispiel. In seiner Anfangszeit waren wir richtig gute Freunde. Nachdem er ein paar Jahre in Berlin gelebt und einige wirklich tolle Platten gemacht hatte, lud mich seine Plattenfirma zur Feier seiner neuen Veröffentlichung ein. Ich ging hin, nahm ein paar Drinks und dachte, jetzt rede ich mal kurz mit David. Als ich auf ihn zuging, stellte sich mir ein riesiges Karatemonster in den Weg und sagte: ›Hey, Arschloch, wo willst du denn hin?‹ Ich sagte, ich wollte mal kurz mit David reden. Und er sagte: ›Du wirst verdammt noch mal nicht mit David reden.‹ Ich hab ihn seitdem nie wiedergesehen. Ähnliches ist mir auch mit anderen passiert, mit Leuten, die in Fernsehinterviews erzählen, dass sie mit mir befreundet sind. Und ich denke mir: Nein, bist du nicht, ich darf mich nicht mal in deine Nähe trauen. Mir kommen diese Leute vor wie lebende Tote."

Die Tatsache, dass John Peel im Alter von knapp 65 Jahren immer noch radikaler mit so genannter Popmusik umspringt als irgendeiner seiner jüngeren Kollegen, ist weniger ein biologisches als ein ästhetisches Mirakel. Dem Modell der kulturellen Frühvergreisung hält er eine immer neue Mischung aus Chaos und Schönheit und Lärm und Leidenschaft entgegen, die unsere Synapsen und Transmitter immer wieder aufs Neue testet.

*Von Deutschland aus führt der Weg zu John Peels wichtigster Sendung übers Internet: Auf der Website von BBC Radio 1 können seine zweistündigen Programme jeweils eine Woche lang gehört werden