Militärtribunale für die Gefangenen von Guantánamo - die Gegner dieser Sondergerichte wussten von Anfang an, was sie davon zu halten hatten: Uniform tragende Richter würden gemeinsam mit Uniform tragenden Verteidigern die Urteile auskungeln, nach eigenen Regeln und abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Willkür und Unrecht würden in dem Gerichtssaal auf dem fernen kubanischen Stützpunkt herrschen.

In der Tat haben Oberbefehlshaber George Bush und seine Mannen diese Ängste geschürt: indem sie die Häftlinge von Guantanámo bereits bei ihrer Ergreifung für schuldig erklärten, sie dem Recht entzogen und Gerichtsverfahren für überflüssig erklärten. Doch Amerikas oberste Richter funkten dazwischen - und jetzt, wer hätte das gedacht, begehren sogar die mit Epauletten behangenen Militärverteidiger auf. Zwischen den Orden der Korvettenkapitäne und Luftwaffenobersten schimmert der Juristenstolz durch.

Das schneidige Advokatenteam, das die ersten vier Inhaftierten verteidigt, wettert gegen Isolationshaft, gekappte Rechtswege und erfolterte Zeugenaussagen. Wütend geißelt ein Anwalt, selbst Angehöriger der US-Armee, den Prozess als verfassungswidrige und gefährlich unkontrollierte Ausweitung von Regierungsgewalt. Dieser Protest beseitigt zwar nicht die grundsätzlichen Vorbehalte gegen das Militärtribunal. Aber er nährt die Hoffnung, dass auch die Juristen in Uniform in der Rechtsschule gelernt haben: Egal, wer vor der Richterbank steht, jedem gebührt ein fairer Prozess.

Auch einem mutmaßlichen Terroristen.