Eine üble Schmutzkampagne hat in den Vereinigten Staaten begonnen. Sie könnte den Ausgang der Präsidentenwahl beeinflussen. Wie das lateinische Sprichwort sagt: Es bleibt immer etwas hängen. Offen ist nur noch, an wem, am Kandidaten oder am Präsidenten?

John Kerry begründet seine Eignung fürs Amt mit seiner Erfahrung. Seine Biografie, wie er selbst sie verstanden wissen will, zeigt ihn als fähigen Truppenführer, der nach dem Kommando über ein Schnellboot in Vietnam nun ebenso gut das Kommando über Amerikas Armee übernehmen könnte. In seiner Nominierungsrede benutzte er 16-mal Variationen des Wortes "Stärke", und zur Parteitagshalle rauschte er im Wassertaxi an, umgeben von seinen damaligen Crewmitgliedern. Dicker aufgetragen geht’s kaum. Das kann man mögen – oder auch nicht.

Ein paar Vietnamveteranen mögen es nicht. Sie haben ein Buch geschrieben mit dem Titel: Zur Führung ungeeignet. Ihr Ausgangspunkt ist Kerrys Verhalten nach dem Vietnamkrieg. Da wurde aus dem dekorierten Kriegshelden ein Kriegsgegner. Das kann man schlecht finden – oder auch nicht.

Die Episode wird zur Affäre, wo im Wahlkampf die Wahrheit verbogen wird. Die Autoren werfen Kerry vor, ein notorischer Lügner zu sein. Nach ihren Recherchen (Augenzeugen waren sie nicht) fügte sich Kerry mindestens eine seiner Wunden selbst zu und fälschte überdies Einsatzberichte, um besser dazustehen. Er soll sogar einen verwundeten Vietcongsoldaten mutwillig getötet haben.

Wenn das stimmt, ist Kerry erledigt.

Wenn nur ein Jota davon stimmt, vielleicht auch. Nämlich dann, wenn genügend Amerikaner die Anschuldigung kennen, aber das Für und Wider im Nebel der Schlacht verschwimmt. Binnen zwei Wochen hat schon knapp die Hälfte der Amerikaner von alledem gehört. Denn die Anti-Kerry-Veteranen schalten Fernsehspots. Die rechtsgestrickten Medien, also Kabelfernsehen und Radio-Talkshows, verbreiten die Vorwürfe in ewiger Wiederholung. Schon scheint der Impuls, mit dem Kerry aus seinem Parteitag gekommen war, verflogen zu sein. Zumindest unter Kriegsveteranen gehen die Zustimmungswerte zurück.

Das Drama besteht darin, dass es (bis Redaktionsschluss) keinen Anhaltspunkt dafür gab, dass etwas dran sein könnte an all den Anwürfen. Augenzeugen melden sich, die Kerrys Version bestätigen. Überprüfungen der Akten ergeben, dass sich sogar die Ankläger früher anders eingelassen haben.