Sie haben mit Ihrer Arbeitsgruppe herausgefunden, dass Menschen, die einst von den Nazis verfolgt und gequält wurden, in deutschen Alten- und Pflegeheimen ganz besondere Probleme haben. Welche sind das?

Es ist die Gegenwärtigkeit der Vergangenheit. Generell kommen im Alter Erinnerungen stärker zurück. Und wenn diese dann so schrecklich sind, ist das für die alten Menschen mit großen seelischen Qualen verbunden.

Wie äußern die sich, und wie müssen die Pfleger damit umgehen?

Häufig gibt es eine Retraumatisierung. Bestimmte Reize versetzen diese Menschen schlagartig in die durchlebte Situation zurück – wenn sie laute Schritte auf dem Gang hören, denken sie, sie würden jetzt zur Deportation abgeholt, oder wenn man einen solchen Pflegebedürftigen duschen will, meint er, ins Gas geführt zu werden.

Müsste da das Pflegepersonal nicht grundsätzlich psychologisch geschult sein?

Damit können die Helfer in der Regel gut umgehen, die meisten sind besonders dafür qualifiziert worden. Woran es aber noch mangelt, ist Verständnis und Hilfe für die alltägliche Not, die eher unauffälligen Depressionen, die häufig aus einer großen Einsamkeit heraus entstehen. Die meisten Heimbewohner habe ja alle ihre Angehörigen auf grausame Weise verloren.

Sie haben sich nicht nur mit jüdischen Opfern befasst, sondern auch mit den Sinti und Roma.