Es gehört zu den Mythen der Rockmusik, dass Bands ständig an den übergroßen Egos ihrer Mitglieder zu zerbrechen drohen. Aber dass sie deswegen einen Psychotherapeuten anheuern? Für 40000 Dollar pro Monat? Und dass sie sich bei ihren Sitzungen sogar filmen lassen? Das gab es nicht einmal im Film This is Spinal Tap, der Mutter aller Rockparodien.

Als die Heavy-Metal-Band Metallica im Frühjahr 2001 einen verlassenen Militärstützpunkt in der Nähe von San Francisco bezog, um nach Jahren endlich wieder an einem neuen Album zu arbeiten, war auf Bitte ihres Managements ein Therapeut mit dabei, der die Spannungen zwischen den Mitgliedern der "härtesten Band der Welt" beseitigen sollte. Mit dabei waren aber auch die Dokumentarfilmer Joe Berlinger und Bruce Sinofsky. Sie hielten die intimen Gruppensitzungen mit ihren Kameras fest, und aus dem umfangreichen Material, das sie im Lauf der folgenden zwei Jahre sammelten, entstand Metallica – Some Kind of Monster. Dieses erstaunliche Dokument ist weit mehr als nur ein Film über Metallica. Es überschreitet das Rockumentary-Genre und erzählt vom seltsamen Leben auf dem Rock-Olymp – zwischen Authentizität und Pose, Rausch und Ernüchterung. Und es berichtet von den Dämonen, die die Rocker plagen – dazu gehört natürlich auch die Band selbst, die für ihre Mitglieder mit zunehmendem Erfolg und der damit einhergehenden Monumentalisierung selbst Züge eines Monsters angenommen hat.

Die Stimmung unter den Jungs ist schon in den Anfangsszenen miserabel. Gerade hat der Bassist Jason Newstead Metallica im Streit verlassen, unter den drei Verbliebenen herrscht dicke Luft. James Hetfield, der äußerlich furchteinflößende Sänger, und Lars Ulrich, der Schlagzeuger mit dem Kindergesicht – zwei vierzigjährige Multimillionäre – sitzen sich gegenüber und merken, dass sie einander nicht ausstehen können. Irgendwann knallt Hetfield die Tür hinter sich zu und verschwindet für ein ganzes Jahr, um vom Alkohol loszukommen. Als er zurückkehrt, ist er zwar trocken und besucht mit seiner Tochter den Ballettunterricht, aber die Konflikte mit Ulrich brechen erst richtig aus. Lange bleibt ungewiss, ob Metallica überhaupt weiterexistieren wird.

Berlinger und Sinofksy zeigen große Rockhelden beim Versuch, über ihre Gefühle zu reden und miteinander klarzukommen. Das ist nicht nur anrührend, sondern es wird dabei auch deutlich, wie aus der Reibung zwischen Ulrich und Hetfield erst dieser rohe, zutiefst emotionale Sound entstehen kann. Den Filmemachern gelingt es, die zankenden Rocker in ihrer unvorteilhaften Lage weder bloßzustellen noch zu idealisieren. Sie wahren Distanz, und doch ist der Blick, den sie auf Metallica werfen, liebevoll.