Öffnet man die edle Wundertüte, die jetzt zum 5. Todestag als Doppel-CD The German Years veröffentlicht wird (Kopf Records/Roof Music), dann wächst der Appetit auf Moondogs Musik, und doch entsteht ein verwirrendes Geschmacksbild, das erst die vollständigen "deutschen" CDs korrigieren. In ohrwärmender Tonalität erklingen all seine Werke, voll mitsummbarer Melodien, die sich aber oft nur durch den Kontrapunkt vom Absturz ins allzu Selige retten. Es sind die unterschiedlichen Instrumentierungen, die die reine Einfachheit der Musik eines blinden Kindes als Summe harmonischer Welten erscheinen lassen. Wie Spieluhren, die keiner fragt, ob sie nicht anders klingen könnten: Da erheben sich Kanons für Kirchenorgel und Trommeln (A New Sound For an Old Instrument), kombiniert er Marimba, Stimmen und elektronische Samples (Elpmas), widmet er den Saxofonen ein Album (Sax Pax For A Sax), konzentriert sich auf Streichquartett und Schlagwerk (Bracelli und Moondog, Laska Rec.) oder tritt in einem Konzert mit der französischen Pianistin Dominique Ponty in Arles auf (The German Years CD 2). "Diese Musik erschafft nicht Lieder für unsere Ohren", schrieb Leonard Huizinga über javanesischen Gamelan, "sie ist ein Zustand – so wie das Mondlicht, das sich über die Erde ergießt." So soll man Moondog hören und ehren.