Vom hoffnungslosen Fall zum Musterknaben marktradikaler Reformer: Keine Nation Osteuropas hat in den vergangenen Jahren ihr Image so verändert wie die Slowakei. In der Amtszeit des bis 1998 regierenden Populisten Vladimør Meciar noch als schwerfällig und kaum EU-würdig gescholten, gilt das Land heute als einer der dynamischsten Neuankömmlinge in der Union.

Verantwortlich dafür ist eine Riege junger Reformpolitiker unter Führung von Finanzminister Ivan Miklos. Sie haben den 5,4 Millionen Slowaken eine Reihe schmerzhafter Veränderungen zugemutet. Wie ein Paukenschlag wirkte im Westen dabei vor allem die Einführung einer Einheitssteuer von 19 Prozent auf Einkommen und Unternehmensgewinne. Zugleich wurden Anfang 2004 die Mehrwertsteuer auf ebenfalls 19 Prozent angehoben und staatliche Fürsorgeleistungen erheblich gekürzt. Für ihre Rente müssen die Slowaken künftig teilweise privat vorsorgen - der Staat garantiert nur eine Grundsicherung.

Massendemonstrationen gegen die Reformen, gerade im armen Osten des Landes, sind fast ohne Wirkung verpufft. Dabei warnt selbst die Weltbank, dass das ungestüme Tempo der Veränderungen das Land überfordern und in eine soziale Schieflage bringen könne. Sowohl bei den Einkommen - im Durchschnitt 370 Euro im Monat - als auch im Kaufkraftvergleich rangiert die Slowakei unter den neuen EU-Staaten im unteren Drittel.

Chefreformer Miklos allerdings setzt darauf, dass die Reformen Investoren anlocken und für viele der 450 000 arbeitslosen Slowaken neue Jobs schaffen.

Dass Peugeot-Citroën und Hyundai in der Slowakei Werke bauen, sieht er als Erfolg seiner Arbeit. In Umfragen zählt der kühle 44-Jährige regelmäßig zu den unpopulärsten Politikern seines Landes - im Parlament hat er bereits ein halbes Dutzend Misstrauensanträge überstanden. Unwichtig, sagt er dazu nur.