Günter Rexrodt war ein bürgerlicher Politiker, was bei ihm noch im alten Sinne hieß: nicht ganz Berufspolitiker, kein Funktionär und Apparatschik. Das Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten lag in der Familie, der Vater war ein führender Liberaler in der Weimarer Republik gewesen; Rexrodt selbst trat erst mit fast 40 Jahren in die FDP ein.

Er wurde Finanzsenator in West-Berlin, ging nach der Wiedervereinigung in den Vorstand der Treuhandanstalt und war schließlich der Wirtschaftsminister der späten Kohl-Jahre, von 1993 bis 1998. Es war die Zeit, da der "Neoliberalismus" in der Bundesrepublik Einzug hielt, freilich mehr rhetorisch als real. Rexrodts Slogan "Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt", also ohne Einmischung der Politik, war eher Wunsch als Wirklichkeit. Doch was damals tatsächlich an Liberalisierung, Deregulierung, Flexibilisierung stattfand, das immerhin verband sich mit ihm: das Aufbrechen der Post-, Telefon- und Energiemonopole, die Lockerung des Ladenschlussgesetzes, für die er sich persönlich besonders einsetzte.

Als Spitzenkandidat der Berliner Liberalen bescherte Rexrodt seiner Partei im Herbst 2001 das schöne Wahlergebnis von 9,9 Prozent, als Schatzmeister der Bundespartei erwarb er sich Respekt bei der Aufklärung des Finanzgebarens der nordrhein-westfälischen FDP unter Möllemann. Am 19. August ist Günter Rexrodt im Alter von 62 Jahren in Berlin gestorben. Jan Ross