Er ist wieder in der Stadt - die Flut hat ihn zurückgespült. Als Gerhard Richter, einstiger Dresdner Akademieschüler und Republikflüchtling, vor zwei Jahren gefragt wurde, ob er an einer Auktion zugunsten der hochwassergeschädigten Elbmetropole teilnehmen wolle, stiftete er, ohne zu zögern, sein größtes Gemälde. Die Wiederannäherung des Malers an den Ort seiner Herkunft hat nun am vergangenen Wochenende ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht: Über 40 Werke aus dem Besitz des Künstlers und aus Privatsammlungen werden künftig als Dauerleihgabe im Albertinum Dresden zu sehen sein (Katalog 30,- Euro). Die Gemäldegalerie Neue Meister hat Richter die großzügige Geste mit einer gelungenen Neuhängung gedankt, die ihn zum zeitgenössischen Konterpart Caspar David Friedrichs erklärt und ihn in drei Sälen als absoluten Höhepunkt der Sammlung feiert. Die Vielfalt der Ansätze in Richters Werk, in der sich seine Aversion gegen die ideologische Verfestigung eines Personalstils artikuliert, könnte kaum besser zur Anschauung kommen: melancholische bis bedrohliche Fotoadaptionen, hybride Glasscheiben, grau bestrichene Leinwände, rätselhafte Spiegel und fast noch rätselhaftere abstrakte Gemälde, deren Faktur zwar offen zutage liegt, die das Geheimnis ihres Erscheinens aber dennoch nicht preisgeben wollen. Dass der Status des Bildes heute nur prekär sein kann und man mit einem starren Bildbegriff nichts von der Kunst begreift, lässt sich an dieser exquisiten Auswahl trefflich studieren.