Mit Händen und Füßen haben sich die Reisebüros gewehrt, doch am Ende saß die Lufthansa am längeren Hebel und setzte ihre umstrittene neue Preispolitik durch: Vom kommenden Mittwoch an müssen Flugpassagiere beim Ticketkauf in Deutschland ein zusätzliches Vermittlungsentgelt bezahlen, das sich zwischen 40 und 60 Euro einpendeln dürfte. Im Windschatten des deutschen Marktführers folgen alle großen Linienfluggesellschaften dieser Praxis.

Mit dem Vermittlungsentgelt müssen Flugpassagiere ihr Reisebüro künftig direkt für dessen Aufwand bei der Beratung, Buchung und Ticketausstellung honorieren, denn von der Lufthansa und ihren Konkurrenten bekommen die Reisevermittler künftig keinen Cent mehr. Bislang hat die Lufthansa fünf bis neun Prozent der Verkaufspreise den Reisebüros als Provision überlassen, doch jetzt will sie nicht mehr teilen. Der Konzern begründet seine Umstellung auf "Nettopreise" mit internationalen Trends, der neuen Rolle der Reisebüros als Interessenvertreter der Kunden und mit größerer Preistransparenz.

Für die Passagiere bedeutet das allerdings zunächst deutlich höhere Endpreise. "Das Ganze ist eine geschickt verpackte Preiserhöhung der Airlines", schimpft Ralph Schiller, Chef der Reisebürokette Reiseland. Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verband DRV hat errechnet, dass Linienflugtickets um durchschnittlich 6,5 Prozent teurer werden. Im Juli war der Branchenverband mit seinem Versuch gescheitert, die neuen Gebühren vom Bundeskartellamt stoppen zu lassen.

Damit tritt am 1. September das von der Lufthansa durchgesetzte Nettopreismodell in Kraft. Als Richtschnur gilt dabei für die gesamte Branche die Gebühr, die die Lufthansa an ihren eigenen Schaltern und in ihrem Call-Center zusätzlich kassieren wird: ein "Ticket-Entgelt" von 30 Euro für Flüge innerhalb Europas und 45 Euro im Interkontinentalverkehr. Hinzu kommt noch ein "Reisebüro-Entgelt" für Beratung, das Lufthansa mit 13 Euro kalkuliert. Unter dem Strich summiert sich das Service-Entgelt pro Ticket damit auf 43 bis 58 Euro.

Die großen Reisebüroketten haben bereits angekündigt, dass sie Vermittlungsgebühren in ähnlicher Höhe verlangen wollen. Prinzipiell aber kann jedes Reisebüro den Zuschlag, den es für eine Buchung fordert, selbst kalkulieren. Und jeder Kunde muss für sich entscheiden, ob er die Gebühr akzeptiert oder nach billigeren Alternativen etwa im Internet Ausschau hält. Doch auch dort wird künftig ein Zuschlag kassiert. "Ohne dieses Service-Entgelt können wir nicht überleben", heißt es beispielsweise beim Online-Reiseportal Expedia. Weil im Internet meist ohne Beratung gebucht wird, ist dort aber mit niedrigeren Gebühren zu rechnen.

Allerdings haben Reisebüros jetzt auch größere Chancen, sich durch guten Service bei den Kunden unentbehrlich zu machen. Denn immerhin sind die Agenturen mit der Einführung der Nettopreise nicht mehr Handelsvertreter der Airlines, sondern Anwalt der Kunden, von denen sie direkt bezahlt werden. "Das heißt auch, dass wir jetzt neutraler beraten können", kündigt Reiseland-Chef Schiller an.

Das Bundeskartellamt, das die neue Nettopreispolitik der Lufthansa billigte, erwartet künftig "mehr Transparenz und Preiswettbewerb unter den Reisebüros". Allerdings hat der Branchenverband DRV die Tickethändler schon vor einem Preiskrieg um die niedrigste Vermittlungsgebühr gewarnt: "Das wäre für die meisten Reisebüros betriebswirtschaftlicher Selbstmord", meint DRV-Vizepräsident Hans Doldi.