Der Sommer ist fast vergangen. Was hat er uns hinterlassen? Einen vertrockneten Garten, der seit zwei Jahren praktisch keinen Regentag mehr erlebt hat. Der Grundwasserspiegel ist bei den Antipoden angelangt, und der Feigenbaum hat uns eine Rekordernte vor die Füße geschmissen. Ein unsympathischer Armstrong ist durch unser französisches Dorf geradelt, ein liebenswerter Trompeter gleichen Namens fast vergessen.

Misshelligkeiten dieser Art wurden aufgewogen durch eine Meldung, die ich auf der ersten Seite der International Herald Tribune fand. Es war die Ausgabe vom 6. Juni 1944, zum Gedenken an die Invasion der Alliierten faksimiliert. Dort steht also unter der fetten dreizeiligen Überschrift, welche die gesamte Zeitungsbreite einnimmt, noch folgende Nachricht: "Hitler verliert auch Vegetarierstatus". Weil er sich, wie die London Vegetarian Society erfahren haben will, zeitweise von Leberextrakt ernährt habe.

Das ist natürlich eine wunderbare Nachricht für unsere Vegetarier. Nur einige Historiker müssen sich vielleicht fragen, ob sie ihre Hitler-Biografien umschreiben müssen. Kulinarisch interessierte Menschen fragen sich lediglich: "Was ist Leberextrakt? Welche Art von Leber ist damit gemeint?"

Wahrscheinlich foie gras, denn wer Hitler heißt, ist auch imstande, Gänse zu stopfen, das liegt nahe. Aber so wie ich mich an die 1000-jährige Betonzeit erinnere, wird es eher Adlerleber gewesen sein. Es gab einfach zu viele Adler in jenen Jahren. Sogar die Unterseiten der Nachttöpfe waren damit verziert. Der Vorgänger von Frau Hoffmann fraß jahrelang aus einer dicken Untertasse, die ebenfalls mit einem Adler bedruckt war. Geschäftstüchtige Jugendliche schleppten sie eines Tages zum Flohmarkt, wo sie fünf Mark erlöste, immerhin.

Ein anderer Vogel, der die Gastronomie begleitet, seit sie existiert, ist der Pleitegeier. Es steht mir hier nicht genug Platz zur Verfügung, um alle Adressen anzuführen, hinter denen sich ein Pleite gegangener Gastronomiebetrieb versteckt. Und wenn es keine direkte Pleite war, dann ein aus der Not geborener Besitzerwechsel. Vor allem in der Hotellerie ist das die häufigste Methode, um finanzielles Ungemach zu kaschieren. Sie ist so branchentypisch, wie es Plattfüße bei Kellnern sind: Wohin man schaut, wo immer man seine Jacht oder seinen Lear-Jet parkt, wechseln die schicken Hotels die Besitzer.

Was ist da los? Wieso hat ein Luxushotel finanzielle Schwierigkeiten, wenn es für eine Übernachtung 300, 600 oder 3.000 Euro verlangt? Sind auch die Multimillionäre geizig geworden? (Sie waren es immer, sonst wären sie nicht so reich.) Liegt es wieder einmal an der 35-Stunden-Woche, an den hohen Lohnnebenkosten?

Ja natürlich erschweren sie den Buchhaltern das Leben. Doch meistens sind es die Immobilienfonds mit ihren hohen Pachtforderungen. Wenn den Hotels dadurch die Luft ausgeht, werden sie verscherbelt wie Katzenteller auf dem Flohmarkt.

Das jüngste Opfer dieser Entwicklung ist mein Berliner Lieblingshotel, das Four Seasons in der Charlottenstraße. Der Direktor Stefan Simkovics hatte es zu einem Musterbetrieb der Oberklasse gemacht, mit einem fabelhaften Service und hervorragender Küche, zu einem Juwel der Berliner Gastronomie. Nun wird es verkauft, und wenn auch der äußere Glanz noch eine Zeit lang erhalten bleiben mag, so ist der Grund für den Besitzerwechsel doch die leidige Kosteneinsparung. Und die führt zwangsläufig zu einem Qualitätsverlust.