Er war ein zartes blasses Kind, das die häusliche Atmosphäre mit eigenartigen Zuckungen und Tanzschritten zwanghaft zu verkraften suchte. Als es in der Lateinschule, wo er bei dem Lehrer wohnte, ebenso weiterging, stellte ein Arzt den "Veitstanz" bei ihm fest. Eine Magnetbehandlung half ihm so gut, dass die Mutter ihn aus dem Haus des Lehrers zurückholte. Doch schon auf dem Heimweg begann die Tortur von vorn. Bei den Eltern bestimmte er die Heilbehandlung selbst. Als es ihm dann doch besser ging, wollte er in die Lateinschule zurück. Kurz nach der Konfirmation machte er das Abitur, das ihn zum kostenlosen Studium berechtigte.

Diesmal kam er 15-jährig in ein Internat, das in einem alten, verträumten Kloster untergebracht war. Dort fühlte er sich wohl. Er lernte gut. "Spuren von Genialität und poetischer Anlage" seien erkennbar gewesen, heißt es. Allerdings auch ein Hang zum Ungehor- sam und Lesen fremder Lektüre. In dieser Zeit wurde die Grundlage seiner späteren Gelehrsamkeit gelegt.

Er interessierte sich für die gesellschaftlichen Veränderungen, für die Freiheitskämpfe in Griechenland, die Julirevolution in Frankreich und das Hambacher Fest: Mehr als 25 000 Teilnehmer hatten sich versammelt, um gegen Kleinstaaterei und Unterdrückung zu protestieren. Er durchschaute, wie Schulen, Universitäten und Kasernen dazu benutzt wurden, junge Menschen zu Untertanen abzurichten.

Als er in das Tübinger Stift eintrat, in dem er ein Stipendium zum Studium der Theologie erhalten hatte, erkannte er: "Unsere Jugend wird systematisch zur Lüge erzogen."

Es dauerte nicht lange, dass er sich mit dieser Einstellung unbeliebt machte. Noch schwerwiegender waren seine Gedichte, in denen er die Missstände anprangerte. Von Gleichgesinnten wurden sie begeistert aufgenommen.

Das Stift musste er nach dem ersten Jahr wegen Aufsässigkeit verlassen, was zur Folge hatte, dass sein Vater die Studiengebühren bezahlen musste und die Schulden, die sein Sohn in Wirtshäusern gemacht hatte.

Auch das Studium gab er bald auf. Er wurde mit 19 Jahren Mitarbeiter der Zeitung Europa. Aber kurz darauf zerrten ihn Polizisten aus dem Bett und brachten ihn in die Kaserne, wo man ihn zwang, ärztliche Untersuchungen über sich ergehen zu lassen, und wo man ihn wegen Fluchtgefahr gleich als Rekruten dabehielt. Sein Verleger schaffte es, ihn zu befreien.