Taub - das bin ich, und es ist Teil meiner Herkunft. Gehörlos zu sein bedeutet für mich mehr und anderes als nicht hören zu können. Ich zähle zu einer Generation, die das Glück hat, Gehörlosigkeit als ein positives Merkmal von Identität erfahren zu können.

Dass ich aus einer Familie mit Gehörlosen in vierter Generation stamme, hat mir dies erleichtert. Wie Maike Stein verfüge ich über eine sehr gute Lautsprachkompetenz - anders als sie habe ich dafür meiner hörenden Großmutter zu danken, während meine gehörlosen Eltern für die Gebärdensprachkompetenz gesorgt und mich vor den Abgründen der Gehörlosenschule bewahrt haben.

Anders auch als Maike Stein weise ich die hartnäckigen Versuche von HNO-Ärzten und Medizinern, die mir ein Cochlear-Implantat als Ende der Taubheit verkaufen wollen, seit Jahren teils entnervt, teils belustigt zurück. Ich fühle mich nicht als defizitäres Wesen und möchte mir ohne zwingende Not nicht den Kopf aufschneiden lassen.

Die Prophezeiung, dass es das Phänomen der Gehörlosigkeit in wenigen Generationen nicht mehr geben werde, durchzieht die Geschichte der Hörgeschädigtenpädagogik, die stets einseitig und dogmatisch auf das Hören- und Sprechenlernen fixiert war. Ob diese Vorhersage mit der Entwicklung von Innenohrprothesen wahrer geworden ist, wird man in einigen Generationen sehen. In der Zwischenzeit jedoch dürfen auch medizinische Erfolge nicht verhindern, dass gehörlose Kinder und Erwachsene zu ihrem Recht kommen, endlich bilingual in Laut- und Gebärdensprache aufwachsen dürfen, qualifizierte Dienst- und Dolmetschleistungen in Anspruch nehmen können und die Möglichkeit erhalten, mit ihren ganz eigenen sprachlichen Möglichkeiten am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

SABINE FRIES, NUTHETAL

Schade, dass Sie in einem ansonsten sehr guten Artikel die Möglichkeiten des Cochlear-Implantats überschätzen. Auch in Zukunft wird es gehörlose Kinder geben, denn etwa 30 Prozent der implantierten Kinder können trotz Cochlear-Implantat die Lautsprache nicht erlernen.

Bei diesen Kindern muss nicht zwingend eine Zusatzbehinderung oder Schädigung des Hörnervs vorliegen. Sie sind jedenfalls auch weiterhin auf Gebärdensprache angewiesen, aber diese wird ihnen verwehrt, die Eltern werden auf eine spätere Besserung vertröstet. Die Krankenkassen zahlen zwar die Logopädie, aber keinen Gebärdenunterricht, denn Gebärden stehen nicht im Leistungskatalog.