URSULA TROST, KIRCHZARTEN

Wie jede Gemeinschaft hat die Gehörlosengemeinschaft ihre eigene Vielfalt, der Hörstatus ist nicht entscheidend. Die Mitglieder haben eigene Maßstäbe festzulegen, inwieweit sie mit der hörenden und der gehörlosen Welt interagieren. Daher ist es wichtig, stets daran zu erinnern, dass die Biografie der von Ihnen porträtierten Frau nicht immer auf andere gehörlose Individuen übertragen werden kann und dass es imperativ ist, diverse Lebensweisen Gehörloser zu respektieren.

Aus diesem Grund ist es nicht angemessen zu sagen, dass (...) die Taubheit aus der Gesellschaft verschwinden kann. Denn in unserer Gesellschaft existiert eine vibrante Gehörlosengemeinschaft mit ihrer eigenen Sprache, Geschichte und Kultur, die nicht einfach ignoriert werden kann.

CHRISTIAN RATHMANN, AUSTIN/TEXAS, USA

Ihr Artikel über eine erfolgreiche CI-Implantation bei einer Gehörlosen ist sehr interessant. Leider erzeugt die Lektüre gerade der ersten Absätze einen schalen Beigeschmack. Sie erwecken den Eindruck, nur das Hören ermögliche ein lebenswertes Leben.

Nun, als Betroffener (ertaubt im Alter von 30 Jahren) möchte ich Ihnen versichern, dass auch ohne Gehör und Cochlear Implantat ein lebenswertes Leben möglich ist, die Umwelt einem das eigene Dasein bestätigt. Ich will nicht verhehlen, dass dieser Weg mitunter schwierig ist und Abstriche hingenommen werden müssen. Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass Sie die Einmaligkeit von Frau Steins Lebensweg stärker betonen und damit deutlich machen, dass unterschiedliche Möglichkeiten existieren, Taubheit zu meistern.

DR. MARCUS JOHN, BERLIN