Sechs Monate lang waren keine Busse mehr in die Luft geflogen. Und fast hatte man in Israel schon geglaubt, dass wieder Normalität ins Leben eingekehrt wäre. Der doppelte Selbstmordanschlag in Beer Shewa, bei dem am Dienstag 16 Menschen getötet wurden, setzte der schönen Illusion ein Ende. Nachdem die blutige Nachricht verbreitet worden war, organisierten viele Eltern kollektive Fahrdienste, um ihre Kinder heute, am ersten Schultag, nicht gleich mit dem Bus losschicken zu müssen. Ohne die Anschläge in Beer Shewa hätten sie es getan.Politische Konsequenzen wird es jedoch nicht geben. Es könnte sogar sein, dass Ariel Sharon seine Pläne noch schneller verwirklicht als anvisiert. "Der Trennungsplan wird ausgeführt werden. Punktum", erklärte der israelische Ministerpräsident am Dienstag vor der Likud-Fraktion in der Knesset. Das war zwar noch vor dem doppelten Selbstmordanschlag, doch hat sich dadurch nichts an seiner Politik geändert. In Scharons Augen "gibt es keine Verbindung zwischen dem Attentat und dem Trennungsplan". Der palästinensische Terror sei vorher vorhanden gewesen, und es werde ihn auch nach der Umsetzung des Trennungsplans geben, lautete die einhellige Meinung von Scharon und seinem Verteidigungsminister Shaul Mofaz. Außerdem werde der Abzug der Armee aus dem Gazastreifen israelische Kräfte freisetzen, um gegen den Terror aus dem Westjordanland zu kämpfen. Solange die Möglichkeit eines Abkommens mit der Palästinenserbehörde nicht bestehe, lautet die Scharonsche Logik, müsse Israel alles unternehmen, um die Reibungsfläche zwischen den beiden Seiten so klein wie möglich zu halten.Nicht der Trennungsplan stand gestern deshalb auf dem Prüfstand, sondern der Mauerzaun, der im Süden des Landes noch nicht gebaut wurde. Wäre dieser vollständig, so lautete die allgemeine Reaktion, dann hätten die Attentäter möglicherweise den Weg nach Beer Shewa gar nicht geschafft. Denn dass es in den letzten Monaten relativ ruhig war und viele Anschläge vereitelt werden konnten, schreibt das Sicherheitsestablishment vor allem auch der Barriere zu.Nach dem neuen Zeitplan soll das Sicherheitskabinett bereits am 14.September über die Entschädigungsfrage der Siedler abstimmen, die den Gazastreifen freiwillig verlassen wollen; die Regierung soll am 24.Oktober darüber entscheiden und die Knesset am 3.November. Damit wäre der Startschuss aber noch nicht gegeben für den tatsächlichen Rückzug, darüber soll noch eigens abgestimmt werden. Klargestellt hat Scharon allerdings jetzt schon, dass er die drei geplanten Rückzugsphasen zügig hintereinander durchführen will. Es sieht so aus, als meine er es ziemlich ernst.