Sie müssen es noch lernen, miteinander zu sprechen. Die Teilnehmer der Esof stammen aus 66 Staaten. Jeder hat seine eigenen Interessen, jeder einen anderen kulturellen Hintergrund. In jedem Land ist das Verhältnis von Wissenschaft und Politik, das zwischen Forschung und Ökonomie, ein anderes. Wissenschaft dringt in nahezu alle Lebensbereiche vor, und die sind überall auf andere Art und Weise geregelt - vom Gesetzgeber mit seinen Paragrafen, von der Gesellschaft mit ihren Sanktionen oder von der Religion.

Wirklich kontroverse Themen fehlen bisher beim Euroscience Open Forum. Klone, Embryonen, Stammzellen, sie sind in diesem Jahr kein Thema. Die Klimadebatte wird eher auf wissenschaftlicher als auf politischer Ebene geführt. Auch die Diskussion um die künftige Energieversorgung bleibt ein wenig akademisch.

Die Forscher üben sich in Diplomatie. Das wurde bei einer Debatte über ein europäische Variante der amerikanischen Centers of Disease Control deutlich. Welche Befugnisse darf ein solches europäisches Zentrum der Seuchenbekämpfung haben? Darf es nationale Flughäfen schließen, gar Ländergrenzen sperren? Wie viel Laborkapazität braucht ein solches Center und wie ist die Verteilung der Zuständigkeiten und Forschungsaufgaben angesichts der bestehenden nationalen Kapazitäten geregelt?

Offene Fragen. Einigen Forschern wie dem niederländischen Virologen Albert Osterhaus von der Erasmus Universität in Rotterdam ist anzusehen, dass er sich eine mächtige Institution wünscht. Allein, er spricht es nicht aus.

Die in Stockholm versammelten Infektionsexperten haben weniger bioterroristische Angriffe im Blick, als eine neue Grippeepidemie. Panikmache? "Hier kann man nicht laut genug warnen", sagt Hans Wigzell vom Stockholmer Karolinska Institut. Osterhaus empfiehlt den Regierungen, Mittel für die Bevorratung antiviraler Medikamente bereitzustellen, die den Verlauf der Krankheit mildern können. Denn bis ein Impfstoff bereit steht, werde trotz aller Vorbereitungen einige Zeit vergehen.

Es sind vorsichtige Empfehlungen, die die Forscher aussprechen. Das Verhältnis von Wissenschaft und Politik ist nach wie vor ein vages, ein instabiles - selbst dort, wo es am stärksten institutionalisiert ist: in den USA. Dort treffen sich die diversen Wissenschaftsagenturen der Ministerien regelmäßig mit dem Präsidenten. "Das ist seine Chance, den Forschern zu sagen, was sie tun sollen", sagt Neil Lane, Science Advisor und ehemaliger Chef der National Science Foundation. "Und es ist die Chance der Forscher, 'yes, Sir' zu sagen - und dann zu gehen und das zu tun, was sie ohnehin tun wollen."

Dabei stehen Wissenschaft und Politik vor gewaltigen Aufgaben, die nur gemeinsam gelöst werden können. Neil Lane präsentiert seinen europäischen Kollegen die Top Ten der zukünftigen Probleme. An der Spitze steht die Energiefrage, auf Platz zwei die Wasserversorgung, dann folgen Lebensmittel, Umwelt, Armut, Terror und Krieg, Krankheiten, Bildung, Demokratie und Bevölkerungsentwicklung.