"Where are the breaking news", fragen die Journalistenkollegen in Stockholm. Doch schlagzeilenträchtige Neuigkeiten sind auf dem Euroscience Open Forum kaum zu erwarten. Die Konferenz bildet den Stand der Forschung ab, wissenschaftliche Durchbrüche werden dagegen auf Fachkonferenzen oder in Magazinen wie Nature oder Science zelebriert.

So kann die Entdeckung eines neuen Exoplaneten durch das European Southern Observatory, die auf dem Esof verkündet wurde, ebenso gefeiert wie bezweifelt werden. Forscher der Europäischen Südsternwarte wollen außerhalb unseres Sonnensystems einen Planeten gefunden haben, der um den Stern my Area kreist. Er soll nur 14 mal schwerer sein als die Erde und wäre damit der kleinste bisher entdeckte exotische Sternentrabant.

Doch die Existenzbeweise für die Exoten gründen sich auf Indizien. Darum schwelt in der Szene der Planetenjäger seit Jahren ein heftiger Streit. Während die einen überzeugt sind, in jedem Sonnensystem gebe es auch Planeten, halten andere die Trabanten für sehr seltene Erscheinungen.

Echte Neuigkeiten gibt es in Stockholm eher aus der europäischen Forschungspolitik. Am Donnerstagabend wurde hier erstmals der European Young Investigator Award (EURYI) verliehen. 25 Nachwuchswissenschaftler wurden mit jeweils 1,25 Millionen Euro für fünf Jahre ausgestattet. Die Forscher kommen aus allen Teilen Europas und kaum einer von ihnen wird mit dem Geld in seinem Heimatland arbeiten. Somit sind mit dem Preis gleich zwei wichtige europäische Ziele erreicht: Nachwuchsförderung und Mobilität.

18 Forschungsorganisation aus 15 Mitgliedsstaaten der EU haben sich zusammengetan und stellen jährlich 5,2 Millionen Euro zur Verfügung. "Mit dem Nobelpreis sehen wir zehn bis zwanzig Jahre in die Vergangenheit" sagt Bertil Andersson, Präsident der European Science Foundation. "Mit diesem Preis blicken wir fünf bis zehn Jahre in die Zukunft."

Der Ausblick ist jedoch nicht nur erfreulich. Unter 25 Preisträgern finden sich nur drei Frauen. Die Lebenswissenschaften dominieren, Geistes- und Sozialwissenschaften tauchen kaum auf. Es habe zu wenig Bewerbungen von Frauen gegeben, heißt es aus den Kreisen der Auswahlkomitees. Das heiße aber nicht, dass es in Europa keine guten Forscherinnen gebe. Was aber heißt es dann? Dass die Frauen sich nicht trauen? Oder dass sie sich angesichts der bisher herrschenden patriarchalischen Übermacht gar nicht erst die Mühe machen, ihre Qualitäten zu zeigen?

Dann hat Europa wirklich noch viel zu lernen.