Es war einmal ein Computerspiel namens Pong. Damals, als die Bildschirme noch grün schimmerten. Damals, als das Wort Egoshooter noch nicht geboren war.

Jetzt flimmert Pong über die große Leinwand im Hauptsaal des Stockholmer Folkets Hus. Ein grüner Ball springt zwischen zwei grünen Balken hin und her. Gesteuert werden die Balken in der Videopräsentation des Neurowissenschaftlers Rainer Göbel von zwei Probanden an der Universität Maastricht. Und die krümmen für das Spiel keinen Fingern. Regungslos liegen sie in Kernspintomografen und steuern das Geschehen allein über die Aktivität ihres Gehirns.

Was bei oberflächlichen Hirnstrommessungen, den sogenannten EEGs, schon länger möglich ist (und unter anderem an der Universität Tübingen praktiziert wird), funktioniert jetzt auch mit Bildern aus dem Inneren des Kopfes: Die Versuchspersonen erhalten über die Position der Balken auf dem Spielfeld eine direkte Rückmeldung über den gegenwärtigen Zustand ihres Denkorgans. Zudem können sie in Echtzeit auf einem Bildschirm verfolgen, welche Hirnregion sie gerade aktiviert haben - Neurofeedback nennen das die Forscher.

Die Versuchspersonen lernen, allein über die Aktivität des Gehirns die Balken zu steuern, von denen der Pong-Ball auf dem Bildschirm abprallt. Notwendig dazu ist die Verarbeitung gewaltiger Datenmengen. Erst die immer schneller werdenden Rechner und eine komplexe Software machen es möglich, das Gehirn über seinen eigenen Zustand aufzuklären. "Wir können dem Gehirn beim Denken zusehen, die Daten direkt auswerten und dem Probanden zurückmelden", schwärmt Rainer Göbel von der Neurocognition Group der Universität Maastricht.

Ballern mit dem Hirn - da bekommt der Begriff Egoshooter eine ganz neue Bedeutung.