Das deutsche Spezialistentum schreitet, allen Warnrufen der Industrie zum Trotz, munter voran. Schon haben unsere Sportler bei den Olympischen Spielen in allen klassischen Disziplinen versagt, dafür im Trampolinspringen, beim Slalomfahren mit dem Kanu und anderen skurrilen Freizeitdisziplinen Medaillen geholt. Es braucht wenig Fantasie, für die nächsten Spiele Triumphe im Gummitwist oder im Fernsteuern getunter Modellboote vorherzusagen.

Die ganze Nation ist offenbar einem Wetten, dass…? -Denken verfallen und widmet sich nach Feierabend dem Auftürmen von Bürostühlen oder der Unterwassermontage von Autoreifen, immer in der Hoffnung, die bizarren Ideen einer Fernsehshow in den Rang olympischer Disziplinen befördern zu können. Und was tut Olympia? Olympia, anstatt den kollektiven Abmarsch in den Bastelkeller zu unterbinden, beflügelt den Willen zum Peripheren noch. Fieberhaft arbeiten Ingenieure in allen Entwicklungsabteilungen an dem Ultraleichtbau von Dreirädern, mit denen ausgesucht kleinwüchsige Athleten bei den Spielen 2008 sich in rasender Fahrt durch die labyrinthischen Gänge eines Kindergartens bewegen sollen.

Wie denn überhaupt gesagt werden muss, dass von der Industrie die abwegige Spezialisierung nur rhetorisch beklagt, praktisch aber befördert wird. Volkswagen hat eine Firmenuniversität gegründet, andere Konzerne werden nachziehen. Bald haben wir die ersten Bachelors mit Hauptfach Passat, Nebenfach Lupo; oder bei Siemens/AEG das Diplom in Lavamat, Nebenfach Vampyrette. Weiter lässt sich das Fachidiotentum kaum treiben; man kann es höchstens durch kryptische Modellkürzel wie bei Audi verdunkeln, wo gewiss in Kürze der erste A6-Studiengang entsteht.

Was aber sollen die Absolventen machen, wenn ihre ersten Schritte auf dem Arbeitsmarkt zur Konkurrenz führen? Sollen sie dem Personalchef ins Gesicht sagen: Astra kann ich nicht, ich habe Mondeo gelernt? Selbst für Olympia werden sie sich nicht qualifizieren, wenn dort das erste Wettwaschen oder Wettsaugen markenübergreifend stattfindet. Wir hören schon jetzt die Ausreden der Athleten: Mit meiner Miele habe ich die 1000-Sweatshirt-Marke überschritten, aber mit Constructa kann ich nicht. Oder: Mit dem Fakir bin ich auf 600 Fussel pro Sekunde gekommen, aber beim BMW sind sie im Vergaser hängen geblieben, und dann war plötzlich Finis.