Die Katze lässt das Mausen nicht. Als Waffenhändler hatte sich Mark Thatcher, Sohn der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher, einen zweifelhaften Ruf gemacht. Nun ist er in einen Skandal verwickelt, der sich sowohl um Waffen als auch einen handfesten Putschversuch und letztlich sogar ums kostbare Öl dreht. Der Sohn der Eisernen Lady war offenkundig in den Plan verwickelt, im afrikanischen Äquatorial-Guinea einen Umsturz herbeizuführen. Zu Beginn des Jahres war dieser Coup gescheitert, ohne allzu viel internationales Aufsehen zu erregen. Das hat sich geändert, schon deshalb, weil der Name Thatcher aufhorchen lässt. Überdies deutet einiges darauf hin, dass andere - auch staatliche - Akteure, allen voran Spanien, im Hintergrund beteiligt oder zumindest eingeweiht waren in den Plan, dort mittels einer privat finanzierten Söldnerstreitkraft einen Regimewechsel herbeizuführen.

Severo Moto, der Oppositionsführer aus Äquatorial-Guinea, wartet seit Jahren in Madrid im Exil auf seine Rückkehr in die Heimat. Die Regierung Aznar soll, im stillen Einvernehmen mit Washington und London, aktive Hilfe und die Anerkennung der neuen Regierung zugesagt haben. Das von Malaria verseuchte Land ist reich an Öl und wird von einem der garstigsten Diktatoren des Schwarzen Kontinents beherrscht. Dem Tyrannen von Äquatorial-Guinea, Obian Nguema, hätte niemand eine Träne nachgeweint. Sein barbarisches Regime lässt die Bevölkerung von einer halbe Million Menschen in tiefster Armut darben, während Nguema selbst Milliarden aus Ölkontrakten mit amerikanischen Konzernen auf seine Konten scheffelt.

Sir Mark, den Titel erbte er von seinem Vater Dennis Thatcher, behauptet steif und fest, eine blütenweiße Weste zu besitzen. Auch wenn er mittlerweile eingestanden hat, ein Waffenhändler zu sein. Die südafrikanische Polizei, die ihn in seiner ansehnlichen Villa in Kapstadt unter Hausarrest stellte, wirft ihm vor, zu einer illustren Schar von Millionären zu gehören (auch der windige britische Bestsellerautor Jeffrey Archer soll dazu gehören), die Geld gaben, um den Umsturz zu finanzieren.

Wohlhabende Briten und Südafrikaner ließen sich von einer äußerst attraktiven Offerte locken: Für eine Investition von 100.000 Pfund stellte man ihnen binnen kürzester Frist einen Millionengewinn in Aussicht. All dies weiß man, nachdem einem gewissen Simon Mann, Freund und Nachbar von Mark Thatcher, in Zimbabwe der Prozess gemacht worden war. Auf dem Flug nach Äquatorial-Guinea hatte Mann, offenbar einer der Initiatoren des geplanten Putsches, mit einer Gruppe von Söldnern einen Zwischenstop ausgerechnet in Harare, der Hauptstadt Zimbabwes gemacht, um dort weitere Söldner und Waffen an Bord seiner Boeing zu nehmen. Stattdessen schlug Mugabes Polizei zu.

Wahrscheinlich, so munkelt man, hatten südafrikanische Behörden dem Regime einen Tipp gegeben, um Söldner von Umtrieben im eigenen Land abzuhalten. Mann wanderte hinter Gitter und packte aus. Das Geständnis wurde erprügelt, behauptet seine Familie. Beim Prozess in Harare kam Mann relativ glimpflich davon; er wurde nicht des Putschversuches überführt sondern nur schuldig befunden, Waffen kaufen zu wollen. In einem Brief, aus dem Gefängnis herausgeschmuggelt, hatte Simon Mann seiner Frau geschrieben, nur Leute mit „wirklichem Einfluss“, etwa ein gewisser „Scratcher“, könnten ihm helfen. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich Mark Thatcher.

Der sitzt nun selbst fest und muss womöglich gar die Auslieferung nach Äquatorial-Guinea fürchten. Der dortige Despot erklärte in einem Interview mit einer britischen Zeitung geradezu genüsslich, er warte nur darauf, Mark Thatcher in die Hände zu bekommen.

Der Plan für den Putsch, ausgeheckt bei Drinks im Kreise britischer Expatriats, passt zum Sohn der früheren britischen Premierministerin wie die Faust aufs Auge: Networking unter Old Etonians (Simon Mann hat wie Mark Thatcher die englische Eliteschule Eton besucht), ein postkoloniales Abenteuer, der Einsatz von Risikokapital und, last but not least, die Aussicht auf saftigen Profit. Die neuen Herrscher in Äquatorial-Guinea hätten sich, soviel dürfte vorher abgeklärt worden sein, mit dem Verkauf von Öllizenzen erkenntlich gezeigt.