Die Hoffnung auf neue Arbeitsplätze ist groß. Hartz IV macht die Vermittlung von Jobs effektiver, den Druck auf Arbeitslose stärker und die Arbeit billiger. Den rund 3,2 Millionen Beziehern von Arbeitslosen- und Sozialhilfe wird zugemutet, entweder in öffentlichen Betrieben einen Ein-Euro-Job anzunehmen oder in der freien Wirtschaft einen Arbeitsplatz zu akzeptieren, dessen Lohn um bis zu 30 Prozent unter den Tarifen liegen kann. Doch im Arbeitgeber-Lager will so recht keine Freude aufkommen. Der Beschäftigungseffekt der Reform dürfte sich deshalb in Grenzen halten. Neue, qualifizierte Arbeitsplätze werden jedenfalls kaum entstehen. Das verlautet aus Wirtschaftsverbänden und Unternehmen.

Viele Betriebe drückt vor allem ein Problem: Zwar boomt der Export, doch auf dem Binnenmarkt herrscht Flaute. Und so macht sich denn seit geraumer Zeit in der theoretischen Debatte die Erkenntnis wieder breit, dass Löhne nicht nur Kosten treiben oder senken, sondern auch die Kaufkraft stärken oder schwächen. Genau hier haken inzwischen einige Ökonomen ein. In Deutschland müsse jetzt die Binnennachfrage gestärkt werden, sagt etwa der Chefvolkswirt der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, Jim O’Neill (ZEIT- Interview, Nr. 35/04). Auch Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, ist dieser Meinung. Die Reform aber mache den Leuten "wenig Lust, einkaufen zu gehen", meint er.

Hartz IV nämlich lässt das Budget ausgerechnet jener schrumpfen, die sowieso schon knapp bei Kasse sind. Allein 500000 Betroffene, so schätzt das Bundeswirtschaftsministerium, würden gar kein Geld mehr erhalten, weil sie künftig von Erspartem oder dem Gehalt ihres Partners leben müssen. Die Reform werde dem Land im kommenden Jahr rund drei Milliarden Euro Kaufkraft entziehen, schätzen Volkswirte der HypoVereinsbank. Deshalb hält der Wirtschaftsweise Bofinger die Reform in der gegenwärtigen Situation für schädlich. "Größere Anreize oder stärkerer Zwang helfen nichts, wenn es keine offenen Stellen gibt", sagt er. Und die Firmen stellten nicht einfach neue Arbeitnehmer ein, nur weil sie jetzt billiger zu haben seien.

Die schlechte Nachfrage dämpft auch die Investitionen

Nachfrage ist denn auch ein Schlüsselwort in der mittelständischen Industrie. Vor allem jene Unternehmen, die sich auf den Heimatmarkt konzentrieren, leiden darunter, dass viele Menschen in Deutschland in den Konsumstreik treten, weil sie verunsichert sind oder schlicht weniger Geld im Portemonnaie haben.

"Hauptgrund für die per Saldo schlechtere Lagebeurteilung im Mittelstand ist die flaue Binnenkonjunktur", lautet das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Die mauen Nachfrageaussichten dämpften auch die Investitionen. Und der Spielraum für öffentliche Investitionen würde zusätzlich durch die klammen öffentlichen Haushalte eingeengt.

Was bedeutet Hartz IV in dieser Situation? "Kurzfristig wird die Nachfrage weiter gedrückt", bestätigt Marc Evers, Volkswirt beim DIHK. Langfristig hofft er dennoch auf einen Beschäftigungsschub. Aber positive Signale hat er dafür aus dem Mittelstand bislang noch nicht erhalten. "Die Unternehmen warten ab", sagt er.

Vielleicht könnten die Regelungen von Hartz IV für junge Unternehmen attraktiv sein, hofft Volker Müller vom Branchenverband Bitkom, der die Interessen der High-Tech-Branche vertritt. Hier könnten Langzeitarbeitslose, die zu verringerten Löhnen arbeiten, helfen. Grundsätzlich aber müssten die Unternehmen abwägen, ob die Betroffenen noch auf dem erwünschten Wissensstand seien. Es mangele an Bewerbern mit Spezialkenntnissen. "Und daran ändert auch Hartz IV nichts", so Müller.