Die Fischbestände in den Weltmeeren schrumpfen. Nicht nur die Zahl und Größe der Bestände sinkt, auch die durchschnittliche Körpergröße der gefangenen Tiere nimmt deutlich ab. "War der nordostarktische Kabeljau bei seiner Geschlechtsreife früher 95 bis 100 Zentimeter lang, so sind es heute nur noch 60 Zentimeter", berichtete Ulf Dieckmann vom österreichischen International Institute for Applied Systems Analysis auf dem EuroScience Open Forum (Esof) in Stockholm. Die Tiere werden immer früher geschlechtsreif.

David Conover von der State University in New York konnte Dieckmanns Daten im Laborversuch ergänzen. Er züchtete Populationen des Mondährenfisches Menidia menidia. Dann gingen die Forscher auf Fischfang: Sie entfernten aus einer Gruppe die größten, aus einer anderen die kleinsten Tiere. Innerhalb von nur vier Generationen veränderte sich die Körpergröße der Fische um 15 Prozent, in der ersten Gruppe nach unten, in der anderen nach oben. Ein Effekt mit drastischen Folgen: "Die Evolution benötigt fünf bis zehn Jahre, um den Druck von einem Jahr intensiver Befischung wieder auszugleichen", warnte Dieckmann auf dem paneuropäischen Wissenschaftsforum.

In der schwedischen Hauptstadt diskutierten Forscher aus 70 Staaten vier Tage lang über Fragen aus den unterschiedlichsten Disziplinen (siehe unten). Noch ist das Forum mit etwa 1700 Teilnehmern ein relativ bescheidenes Treffen. Das amerikanische Vorbild, die Konferenz der American Association for the Advancement of Science (AAAS), zieht alljährlich mehr als 6000 Gäste an (siehe nebenstehendes Interview). Doch die Veranstalter sind optimistisch. Das nächste Euroscience Open Forum soll 2006 in München stattfinden – und anders als in der Vorbereitung der Stockholmer Tagung ist ein großer Teil der Finanzierung schon jetzt gesichert.